Die Europäische Zentralbank (EZB) dreht vorerst nicht an der Zinsschraube. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag, alle drei Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Einlagensatz bleibt damit bei 2,25 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.
Als Grund nennt die Notenbank vor allem die unsichere Entwicklung der Energiepreise nach dem Konflikt im Nahen Osten. Die Auswirkungen auf die Inflation seien noch nicht vollständig absehbar. Man beobachte deshalb "die Intensität und Dauer des Schocks sowie dessen indirekte und Zweitrundeneffekte" sehr genau, heißt es in der Mitteilung. Ziel bleibe es, die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent zu stabilisieren.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, der Rat sei "gut aufgestellt, um mit der durch den Konflikt verursachten Unsicherheit umzugehen". Über weitere Zinsschritte werde weiterhin "von Sitzung zu Sitzung" und auf Basis der jeweils aktuellen Wirtschaftsdaten entschieden. Auf einen bestimmten Zinspfad wolle sich die Notenbank ausdrücklich nicht festlegen.
Die Inflation im Euroraum sank im Juni zwar von 3,2 auf 2,8 Prozent, liegt damit aber weiterhin über dem angestrebten Zielwert. Vor allem die Energiepreise bleiben aus Sicht der EZB ein Risikofaktor. Die Währungshüter rechnen damit, dass der Energieschock die Teuerung noch bis in die erste Hälfte des Jahres 2027 über dem Ziel halten könnte. Erst danach dürfte die Inflation wieder nachgeben.
Auch für die Wirtschaft bleibt der Ausblick eingetrübt. Die EZB erwartet zwar eine leichte Erholung, warnt aber vor den Folgen anhaltend hoher Energiepreise, geopolitischer Spannungen und möglicher Störungen der Lieferketten. Gleichzeitig könnten höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur sowie Investitionen in digitale Technologien das Wachstum stützen, so die Notenbank.