Kommt aus Sardinien

Die seltenste Pasta der Welt gibt es bald nicht mehr

Die Herstellungstechnik der Nudelsorte Su Filindeu beherrschen nur noch drei Frauen auf der italienischen Insel Sardinien.
Heute Life
11.06.2026, 08:02
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Auf Sardinien gibt es eine Nudelsorte, die selbst erfahrene Köchinnen und Köche an ihre Grenzen bringt: Su Filindeu – auf Deutsch die Fäden Gottes. Das große Problem dabei: Nicht die Zutaten machen die Pasta so besonders, sondern ihre Herstellung, die eine echte Kunst ist.

Nur noch drei Frauen auf der italienischen Insel beherrschen laut dem italienischen Kulinarik-Portal "Dissapore" die jahrhundertealte Technik, weshalb die hauchdünnen Teigfäden als die seltenste Pasta der Welt gelten.

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"Nur die Erfahrung ermöglicht es uns, den genauen Moment zu verstehen, in dem die Masse aus Mehl und Wasser bereit ist, in dünne Fäden umgewandelt zu werden", erklärt Pasta-Meisterin Paola Abraini (62) gegenüber dem Kulinarik-Portal.

Altes Handwerk – keine einfache Anleitung

Der Teig wird zu einem langen Strang geformt, immer wieder auseinandergezogen und gefaltet. Mit jeder Faltung verdoppelt sich die Anzahl der Stränge. Nach acht Faltungen entstehen so 256 hauchdünne Fäden. Diese werden dann in drei Schichten kreuzweise aufeinandergelegt und in der Sonne getrocknet. Das Ergebnis erinnert eher an zarte Spitze als an die Pasta, die Du aus dem Supermarkt kennst.

Paola Abraini hat die Technik einst von ihrer Schwiegermutter gelernt. Auch Antonietta Pes (75), eine der letzten drei Meisterinnen, bekam das Wissen in der Familie weitergegeben. Über Generationen wurde diese Kunst mündlich und durchs Zuschauen weitergegeben.

"Früher war es Arme-Leute-Essen", erklärt Antonietta Pes gegenüber "NZZ Bellevue". "Heute ist es ein Luxus, den sich kaum jemand leisten kann." Ein Kilo dieser besonderen Pasta kostet rund 150 Euro – sofern Du überhaupt jemanden findest, der sie macht. In Restaurants sei sie nicht zu finden, weil die Herstellung viel zu aufwendig ist.

Selbst Jamie Oliver hatte keine Chance

Wie schwierig das Ganze wirklich ist, hat sich 2016 gezeigt. Laut Travelbook hat sich damals der britische Starkoch Jamie Oliver an den "Götterfäden" versucht – und ist gescheitert. "Ich mache seit mehr als 20 Jahren Pasta, aber so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte Oliver damals.

Genau diese komplizierte Herstellung bringt Su Filindeu nun an den Rand des Aussterbens. Viele junge Menschen wollen die Technik nicht mehr lernen. Die Töchter von Abraini haben sich dagegen entschieden, andere Schülerinnen geben oft nach kurzer Zeit auf.

Deshalb hat die Organisation Slow Food Su Filindeu in die "Arche des Geschmacks" aufgenommen. Damit werden traditionelle Lebensmittel und Herstellungsweisen geschützt, die vom Verschwinden bedroht sind. Laut Slow Food gibt es weltweit keine andere Pasta, die von so wenigen Menschen gemacht werden kann.

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