Kalorienverbrennung

Ein Fehler macht Sport beim Abnehmen fast wirkungslos

Jahrzehntelang galt: Sport = mehr Kalorienverbrauch. Doch aktuelle Daten zeigen, dass der Körper bei erhöhter Aktivität spart.
Heute Life
11.02.2026, 12:10
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Sport ist gesund, stärkt Herz, Muskeln und Psyche und ist maßgeblich für einen gesunden Lebensstil. Doch wenn es darum geht, ein paar Kilo oder Zentimeter Bauchumfang loszuwerden, stößt körperliche Aktivität offenbar schneller an ihre Grenzen als lange angenommen. Eine neue Studieim Fachjournal "Current Biology" liefert dafür eine überraschende Erklärung.

Das alte Kalorien-Modell gerät ins Wanken

Seit Jahrzehnten basiert die Berechnung unseres Energieverbrauchs auf einer einfachen Formel: Gesamtenergieverbrauch = Grundumsatz + Sport.

Dieses sogenannte additive Modell geht davon aus, dass jede beim Training verbrannte Kalorie einfach zum täglichen Energieverbrauch hinzukommt. Wer etwa im Alltag 2.000 Kalorien verbrennt und beim Joggen weitere 400 Kalorien, sollte demnach auf einen Tagesverbrauch von 2.400 Kalorien kommen – und langfristig abnehmen.
Doch genau diese Annahme wird zunehmend infrage gestellt.

Der Körper spart an anderer Stelle

In den vergangenen Jahren hat sich ein alternatives Erklärungsmodell etabliert: das "Constrained Model". Es geht davon aus, dass der menschliche Körper nur eine begrenzte Energiemenge pro Tag zur Verfügung stellt. Steigt der Verbrauch durch Sport, fährt der Körper andere Prozesse herunter – etwa Zellreparatur, Hormonaktivität oder spontane Alltagsbewegungen.
Die Folge: Ein Teil der beim Training verbrannten Energie wird intern wieder ausgeglichen.

Realitäten beim Kalorienverbrennen

Die Forscher Herman Pontzer und Eric T. Trexler von der Duke University in den USA verglichen beide Modelle anhand umfangreicher Daten. Sie analysierten 14 Studien mit insgesamt 450 Teilnehmern in Trainingsprogrammen sowie mehrere Tierstudien. Zusätzlich werteten sie Daten aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aus.

Das Ergebnis: Das additive Modell überschätzt den tatsächlichen Anstieg des täglichen Energieverbrauchs häufig deutlich. Im Schnitt fließen nur etwa 72 Prozent der beim Sport verbrannten Kalorien tatsächlich in den Gesamtenergieverbrauch ein. Rund 28 Prozent werden durch Kompensationsmechanismen ausgeglichen.

Warum Sport trotzdem wichtig bleibt

Die Forscher betonen: Sport erhöht den Energieverbrauch durchaus – aber weniger stark, als eine einfache Kalorienrechnung vermuten lässt. Zudem handelt es sich bei den 28 Prozent um einen Durchschnittswert. Wie stark der Körper kompensiert, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich.
"Menschen und Tiere reagieren auf erhöhte körperliche Aktivität, indem sie den Energieverbrauch für andere Aufgaben reduzieren", schreiben die Autoren. Genau das könnte erklären, warum Sport allein oft zu einem geringeren Gewichtsverlust führt als erwartet.

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