Er ist wieder unterwegs: Elch Emil, der im Vorjahr mit seiner außergewöhnlichen Reise quer durch Mitteleuropa für Furore sorgte, wurde erneut im Grenzgebiet zwischen Tschechien und Bayern gesichtet. Damit rückt auch Österreich wieder in den Fokus.
Die jüngsten Sichtungen stammen aus dem Nationalpark Šumava – nur wenige Dutzend Kilometer von Oberösterreich entfernt. Für Experten ist klar: Der junge Elch bewegt sich weiterhin in jener Region, die ihm nach seinem spektakulären Behördeneinsatz im Herbst als neues Revier zugewiesen wurde.
Damals war Emil zum Sicherheitsrisiko geworden. Immer wieder tauchte er in dicht besiedelten Gebieten auf, querte Straßen, Bahnstrecken und sorgte für gefährliche Situationen. Schließlich wurde das Tier eingefangen, mit einem Pfeil betäubt, untersucht und im Grenzgebiet abseits der Bevölkerung wieder freigelassen.
Doch die Ruhe hielt nicht lange. Neue Bilder und Berichte zeigen: Emil ist aktiv – und zieht erneut Aufmerksamkeit auf sich.
Besonders problematisch bleibt der große Andrang von Schaulustigen. Schon jetzt gibt es eine Facebook-Gruppe namens "Emil ist wieder da?", in der aktuelle Medienberichte und Sichtungen von Hunderten Fans diskutiert werden. Der "Gentle Giant" hat nämlich sein mächtiges Geweih verloren, trabt jetzt also "Oben ohne" umher. Auch die ursprüngliche Gruppe "EMIL der Elch" (sie zählt knapp 26.000 Mitglieder) teilt wieder eifrig Aufnahmen des Kolosses, ebenso die Facebook-Gruppe "Elch Emil soll am Leben bleiben".
Heuer ist Emil vom Land Österreich der oberösterreichischen Grenze am nächsten gekommen. Dennoch besteht auch die Möglichkeit, dass er wieder nach Niederösterreich wandert. Dorthin, wo er es sich mehrere Wochen lang im Sommer 2025 gut hat gehen lassen ("Heute" berichtete).
"Es ist schön zu hören, dass sich Elch Emil in seinem natürlichen Lebensraum wohlfühlt", sagt die oberösterreichische Landesrätin Michaela Langer-Weninger (VP) auf "Heute"-Anfrage. Vor allem im Bereich des Nationalparks Šumava in Tschechien, nur etwa 35 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, fände er ideale Bedingungen vor.
Langer-Weninger warnt aber auch: "So faszinierend Emil auch ist – Elche sind und bleiben Wildtiere. Bitte respektiert daher unbedingt seinen natürlichen Lebensraum und haltet ausreichend Abstand."
Tatsächlich ist ein Elch kein harmloses Fotomotiv. Ausgewachsene Tiere können mehrere hundert Kilo auf die Waage bringen, sind schnell unterwegs und verfügen über enorme Kraft. Vor allem in Stresssituationen – etwa, wenn sie bedrängt, verfolgt oder überrascht werden – reagieren Elche mitunter unberechenbar. Dann können sie auch für Menschen und den Straßenverkehr zur Gefahr werden. Dass Emil sich im vergangenen halben Jahr so zahm, menschenfreundlich und friedlich gezeigt hat, ist sogar die Ausnahme. Sein Verhalten kann sich jederzeit verändern.
Genau deshalb setzen die Behörden diesmal bewusst auf Prävention statt auf einen Eingriff. Statt spektakulärer Maßnahmen steht Aufklärung im Vordergrund: Abstand halten, keine Annäherung, kein Füttern. Ziel ist es, riskante Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen – für den Schutz der Bevölkerung ebenso wie für das Wohl des Tiers.
Auch in Österreich ist man vorbereitet. Sollten sich die Wege des Elchs erneut Richtung Bundesgebiet verschieben, liegen Maßnahmenpläne bereit. Ziel ist es, sowohl die Sicherheit der Menschen als auch den Schutz des Tiers zu gewährleisten.
Für Naturschützer hat Emils Geschichte dennoch eine positive Seite: Seine Anwesenheit zeigt, dass sich Elche wieder im Grenzraum ansiedeln könnten. Voraussetzung dafür ist jedoch vor allem eines – Ruhe. Die klare Botschaft der Tierschützer lautet daher: Abstand halten, nicht verfolgen und keinesfalls füttern.