Erste Hilfe bei Selbstmitleid

Elterntipps vom Bundeskanzleramt schlagen hohe Wellen

Ein Ratgeber des Kanzleramts sorgt derzeit für Empörung: Alleinerziehenden wurden Tipps gegen "Selbstmitleid" gegeben. Nun ist er offline.
Heute Life
07.10.2026, 12:40
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Ein Elternratgeber des österreichischen Kanzleramts hat in den sozialen Medien für heftige Kritik gesorgt. Besonders eine Passage über den Umgang mit finanziellen Sorgen Alleinerziehender löste Empörung aus. Inzwischen ist die 36-seitige Broschüre nicht mehr auf der Website der Bundesregierung abrufbar.

Unter dem Titel "ElternTipps Alleinerziehend" sollte die Broschüre Familien durch verschiedene Entwicklungsphasen ihrer Kinder begleiten und praktische Hilfestellungen für den Alltag bieten. Im Vorwort betonte Familienministerin Claudia Bauer, der Staat wolle Menschen, die füreinander sorgen, "so gut es geht unterstützen", berichtet der "Standard".

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Doch ausgerechnet die Ratschläge unter dem Kapitel "Erste Hilfe bei Selbstmitleid" sorgten jetzt für Kritik.

"Mehr Geld" löse nicht alle Probleme

Besonders umstritten ist eine Passage, in der Alleinerziehenden geraten wird, nicht zu glauben, sämtliche Probleme wären gelöst, wenn sie mehr Geld hätten. Wer sich darauf konzentriere, stehe sich demnach "selbst im Weg". Stattdessen sollten Betroffene sich daran erinnern, was ihnen Freude bereite und sie ablenke.

Auf Social Media stießen diese Formulierungen auf deutlichen Widerspruch. Kritikerinnen und Kritiker bemängelten vor allem, dass finanzielle Belastungen Alleinerziehender damit verharmlost werden könnten.

Der Familien-Creator Jonas Rühl, der auf Instagram unter "papa.mit.tics" über seinen Familienalltag spricht, wandte sich in einem Video direkt an die zuständige Ministerin. Er kritisierte unter anderem, dass ein Ratgeber für Eltern stärker die gemeinsame Verantwortung von Müttern und Vätern thematisieren sollte. "Warum gibt man nicht einen Ratgeber raus, der Vätern erklärt, dass sie ihre Verantwortung genauso zu tragen haben wie Mütter."

Serien-Tipps sorgen für Kopfschütteln

Für zusätzliche Diskussionen sorgte eine Liste mit Medientipps, die ebenfalls unter "Erste Hilfe bei Selbstmitleid" zu finden war.

„Shameless, das ist die Serie über einen alkoholkranken Vater, dessen Kinder sich selbst groß ziehen.“

Alleinerziehenden Vätern wurde unter anderem die Serie "Shameless" empfohlen, während Müttern "Gilmore Girls" ans Herz gelegt wurde. Eine Auswahl, die Familien-Creatorin Stefanie Dellmann stark kritisiert: "Shameless, das ist die Serie über einen alkoholkranken Vater, dessen Kinder sich selbst groß ziehen. (...) Ich weiß nicht, wer diese Liste zusammengestellt hat. Vermutlich hat da jemand nur die Serientitel gegoogelt."

Ministerium räumt Fehler ein

Das Familienministerium reagierte schließlich auf die Kritik. Gegenüber den Kritikerinnen und Kritikern räumte das Ressort ein, die Formulierungen in der Broschüre seien "so nicht in Ordnung".

Auch bei "Inhalten und Tonalität" handle es sich um eine Darstellung, die "so nicht mehr zeitgemäß" sei. Die zuständige Fachabteilung wurde laut Ministerium mit einer Überarbeitung beauftragt.

Ratgeber stammt ursprünglich aus 2016

Wie der "Standard" berichtet, ist die Erklärung für die Veröffentlichung zumindest teilweise in der Entstehungsgeschichte des Dokuments zu finden: Die Broschüre wurde erstmals 2016 veröffentlicht. Für 2026 wurden offenbar lediglich Links und Daten aktualisiert. Die problematischen Passagen zum Thema "Selbstmitleid" blieben dabei bestehen.

Der aktuelle Wirbel ist nicht die erste Kontroverse des Kanzleramts rund um das Thema Familienarbeit. Bereits im August hatte Bundeskanzler Christian Stocker bei einem Bürgerdialog mit Aussagen über Kinderbetreuung für Kritik gesorgt.

Eine Frau hatte damals auf die unbezahlte Betreuungs- und Familienarbeit hingewiesen. Stocker sagte unter anderem, Kinderbetreuung würde er nicht als Arbeit sehen. Später entschuldigte sich der Kanzler für seine Äußerungen.

red,Akt. 07.10.2026, 12:46, 07.10.2026, 12:40