Der wichtige Termin beginnt gleich, der Puls zieht an und im Kopf läuft plötzlich alles gleichzeitig. In so einem Moment saß auch Mentalist und Autor Timon Krause vor einem wichtigen Firmenvortrag – und griff zu einer Methode, die zumindest optisch nicht unbedingt nach souveränem Stressmanagement aussieht: Er machte dicke Backen.
"Aktuell bin ich ein großer Fan von dem Eichhörnchen-Trick", erzählt Krause im "Spiegel"-Podcast "Smarter leben". Die kleine Atemübung soll dabei helfen, innerhalb kurzer Zeit wieder ruhiger zu werden. Besonders praktisch: Du brauchst dafür weder eine Meditations-App noch zehn Minuten Pause. Rund 30 Sekunden sollen laut Krause bereits reichen.
Der sogenannte Eichhörnchen-Trick besteht aus drei einfachen Schritten: Zunächst bläst du nur deine rechte Wange auf und atmest dabei einmal langsam ein und wieder aus. Anschließend ist die linke Wange dran: aufblasen und erneut ruhig ein- und ausatmen. Zum Schluss machst du dem Namen der Übung alle Ehre: Beide Backen gleichzeitig aufblasen und noch einmal bewusst langsam ein- und ausatmen.
Das mag vor einer Prüfung, einem Date oder wichtigen Gespräch etwas eigenartig aussehen. Krause zufolge soll die Übung aber dabei helfen, die Anspannung herunterzufahren.
Als Erklärung verweist Krause auf den Vagusnerv: Er gehört zum Parasympathikus – jenem Teil unseres Nervensystems, der vereinfacht gesagt für Ruhe und Erholung zuständig ist. Der Vagus verbindet das Gehirn unter anderem mit Herz, Lunge und Verdauungssystem und ist an der Regulation verschiedener Körperfunktionen beteiligt.
Atemtherapeutin Annette Früh erklärte gegenüber "20 Minuten": "Über den Vagusnerv können wir uns selbst beruhigen." Innehalten und ruhig ausatmen könne dabei helfen, wieder in einen entspannteren Zustand zu finden.
Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass langsames, bewusstes Atmen parasympathische Prozesse fördern und akute Anspannung beziehungsweise Angst reduzieren kann. Krause selbst betont deshalb, dass sogenannte "Mind Hacks" nicht bloß spektakulär klingen sollten, sondern eine nachvollziehbare Erklärung brauchen.
Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Ob ausgerechnet die spezielle Abfolge rechte Wange, linke Wange, beide Wangen einen zusätzlichen Effekt hat, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Krause nennt im Podcast keine Untersuchung, die diese Variante getestet hätte.
Der besser belegte Teil des Tricks steckt vielmehr im langsamen, kontrollierten Atmen. Heißt: Der Eichhörnchen-Trick kann eine spielerische Methode sein, um sich genau dazu zu bringen – als wissenschaftlich bestätigten Spezialgriff sollte man das Backen-Aufblasen aber nicht verkaufen.
Und was, wenn du fünf Minuten vor einem Bewerbungsgespräch im Wartezimmer sitzt und lieber nicht aussehen möchtest, als hättest du gerade drei Nüsse in den Backen versteckt? Dann geht es auch diskreter: Früh empfiehlt etwa die 4/6-Atmung: vier Sekunden durch die Nase einatmen und sechs Sekunden lang ausatmen. Gerade das längere, ruhige Ausatmen soll dem Körper dabei helfen, herunterzufahren.