Am Morgen kratzt der Hals ein bisschen, zu Mittag läuft plötzlich die Nase und am Abend fühlst du dich, als hätte jemand den Stecker gezogen. Spätestens jetzt beginnt bei vielen die große Gegenoffensive: Ingwer-Shot, Vitamin C, Tee und sämtliche Hausmittel, die der Küchenschrank hergibt. Doch lässt sich eine Verkühlung wirklich noch stoppen, wenn die ersten Symptome bereits da sind?
Die ernüchternde Antwort: meistens nicht. "Bei den ersten Anzeichen lässt sich eine Verkühlung nicht mehr ganz verhindern", erklärt Infektiologin Nina Lutz vom Stadtspital Zürich gegenüber "20 Minuten". Ganz tatenlos musst du trotzdem nicht zusehen.
Wenn dein Körper bereits gegen den Infekt arbeitet, solltest du ihm vor allem eines gönnen: Ruhe. Ausreichend zu trinken gehört laut Lutz ebenfalls zu den wichtigsten Maßnahmen.
Die Hoffnung, mit einem bestimmten Lebensmittel oder Präparat die Verkühlung in letzter Sekunde abzuwenden, solltest du dagegen nicht zu hoch hängen. Vieles, was als bewährter Erkältungstrick weitergegeben wird, kann zwar wohltuend sein – die Infektion verschwindet dadurch aber nicht einfach.
Noch am ehesten interessant ist laut der Infektiologin Zink. Möglicherweise kann es die Dauer einer Verkühlung verkürzen, wenn du sehr früh damit beginnst – idealerweise innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der Symptome.
Ein Wundermittel ist Zink allerdings nicht: Lutz verweist auf die begrenzte Datenlage und auch eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 zeichnet kein eindeutiges Bild. Darin wurden 34 Studien mit insgesamt mehr als 8.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewertet. Das Ergebnis: Zink könnte die Krankheitsdauer verkürzen, die Aussagekraft der Evidenz wurde jedoch als gering eingeschätzt.
Beim obligatorischen Ingwer-Shot wird die Hoffnung ebenfalls größer sein als der wissenschaftlich belegte Effekt. Laut Lutz fehlen Belege dafür, dass Ingwer eine beginnende Verkühlung abfangen kann. Ähnlich sieht es mit Vitamin C aus: Erst damit anzufangen, wenn Hals und Nase bereits Alarm schlagen, dürfte wenig bringen. Untersuchungen zeigen, dass eine Einnahme nach Beginn der Symptome die Erkältung weder zuverlässig verkürzt noch deutlich abschwächt.
Was sehr wohl möglich ist: die Beschwerden lindern. Gegen Kopf- und Halsschmerzen können etwa Paracetamol oder vergleichbare Mittel helfen. Ist die Nase verstopft, können Nasenspülungen Erleichterung verschaffen.
Die Ursache beseitigen diese Maßnahmen jedoch nicht: "Das hilft nur gegen die Beschwerden. Die Dauer der Verkühlung wird dadurch kaum beeinflusst", erklärt Lutz. Anders gesagt: Du fühlst dich möglicherweise besser, bist deshalb aber nicht automatisch früher wieder gesund.
Ob Arbeit und Alltag noch drin sind, hängt davon ab, wie du dich fühlst. Bei leichtem Halskratzen sei Arbeiten laut Lutz grundsätzlich möglich. Bei Fieber oder ausgeprägter Müdigkeit solltest du dich hingegen schonen und auf Sport verzichten.
Und nicht jedes Halsweh ist automatisch eine harmlose Verkühlung: Bei Atemnot oder Schmerzen in der Brust solltest du ärztliche Hilfe suchen. Auch wenn nach einer Besserung plötzlich wieder Fieber, Husten oder starke Kopfschmerzen auftreten, empfiehlt Lutz eine ärztliche Abklärung.