Am Pool dröhnt Musik, vor dem Frühstücksbuffet bildet sich die erste Schlange und am "einsamen" Traumstrand kämpfen plötzlich Hunderte um den besten Platz. Urlaub kann ganz schön anstrengend sein. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Reisende nach dem Gegenteil sehnen: weniger Menschen, weniger Verkehr und vor allem weniger Lärm.
"Quietcation" nennt sich der Reisetrend, bei dem nicht Sehenswürdigkeiten und Action, sondern Ruhe und Rückzug im Mittelpunkt stehen. Wo das in Europa besonders gut gelingen könnte, zeigt der erste "Unspoilt Index" der Reiseplattform BookRetreats. Dafür wurden 100 Inseln weltweit anhand von sechs Faktoren verglichen – darunter Bevölkerungsdichte, Naturbelassenheit, Straßen- und Flugverkehr, Lichtverschmutzung sowie natürliche Küstenplätze. Das sind die zehn europäischen Inseln, die im Ranking am besten abschneiden.
Kanarenurlaub ohne Bettenburgen und Dauertrubel? Auf La Gomera geht es vielerorts deutlich gemächlicher zu als auf den großen Nachbarinseln. Tiefe Schluchten, grüne Berglandschaften und Wanderwege durch das Inselinnere bieten reichlich Gelegenheit, den klassischen Ferienrummel hinter sich zu lassen.
Schon ihr Beiname "Blumeninsel" klingt nach Bilderbuchurlaub. Flores liegt weit draußen im Atlantik und gehört zu den westlichsten Inseln der Azoren. Statt Partymeile warten Kraterseen, Wasserfälle, grüne Hänge und eine wilde Küste. Hier übernimmt die Natur das Unterhaltungsprogramm.
Italienisches Inselleben kann auch leise sein. Salina gehört zu den Äolischen Inseln und verbindet vulkanische Landschaften mit kleinen Orten, Badebuchten und viel mediterranem Lebensgefühl. Völlige Einsamkeit gibt es nicht – ein deutlich langsameres Urlaubstempo aber schon.
Ein Geheimtipp ist Milos längst nicht mehr. Trotzdem landet die Kykladeninsel auf Rang sieben. Bekannt ist sie für ihre spektakulären, vom Vulkanismus geformten Küsten. Wichtig beim Ranking: Bewertet wird die gesamte Insel. Auch ein viel besuchter Strand kann also zu einer Insel gehören, deren Hinterland ausgesprochen ruhig ist.
Lange war Vis aufgrund seiner militärischen Bedeutung für ausländische Besucher nur eingeschränkt zugänglich. Heute kommen Urlauber problemlos auf die Insel – vielerorts hat sie sich dennoch einen ursprünglicheren Charakter bewahrt. Kleine Buchten, Weinberge und überschaubare Orte sorgen für eine ruhigere Seite Kroatiens.
Und gleich noch einmal Kroatien: Mljet schafft es sogar unter die besten fünf. Dichte mediterrane Wälder bedecken große Teile der Insel, dazwischen liegen Buchten und eine vergleichsweise wenig verbaute Landschaft. Wer statt Strandclubs lieber Natur sucht, dürfte hier schnell fündig werden.
Gerade einmal rund 1,3 Quadratkilometer misst Herm, etwa 60 Menschen leben dort. Autos sind nicht erlaubt, einen Flughafen gibt es ebenfalls nicht. Dafür warten rund ein Dutzend Strände. Die gesamte Insel lässt sich in ungefähr zwei Stunden zu Fuß umrunden – viel Verkehrslärm dürfte einem dabei kaum begegnen.
Dramatischer wird es auf der Isle of Skye. Rund 10.000 Einwohner verteilen sich auf mehr als 1.600 Quadratkilometer zwischen Bergen, Mooren und zerklüfteten Küsten. Zu den berühmtesten Landschaften zählen der Old Man of Storr und die Cuillin-Berge. Auch nachts bleibt es vielerorts dunkel, da die Lichtverschmutzung gering ist.
Nur etwa 135 Menschen leben auf St. Martin's, einer der Isles of Scilly. Einen Flughafen oder große Hauptstraßen sucht man vergeblich. Dafür verteilen sich zwölf Strände auf gerade einmal 13 Kilometer Küste. Nach Sonnenuntergang sorgt die geringe künstliche Beleuchtung zusätzlich für Ruhe – auf der Insel befindet sich sogar ein Observatorium.
Der europäische Sieger liegt überraschend nahe an einem der berühmtesten Urlaubs-Hotspots überhaupt: Anafi ist mit der Fähre von Santorini erreichbar – fühlt sich laut den Kriterien des Index aber wie eine andere Welt an. Weniger als 300 Menschen leben auf rund 40 Quadratkilometern. Es gibt keinen Flughafen und keine großen Straßen. Bei der Naturbelassenheit erreicht Anafi 92 von 100 Punkten. Weltweit landet die griechische Insel damit sogar auf Platz zwei.
Auch landschaftlich muss man auf wenig verzichten: Rund 38 Kilometer Küste, zahlreiche Strände und der mächtige Kalksteinfelsen Kalamos prägen die Insel. Wer also von Santorin träumt, aber auf Menschenmassen verzichten könnte, findet nur eine Fährfahrt entfernt eine deutlich stillere Alternative.