Ein letztes Video, bewegende Worte und ein Versprechen für die Zukunft: Christian Wehrschütz (65) von seinem bisherigen Berufsleben als ORF-Korrespondent. Freitagabend wandte sich der bekannte Journalist mit einer persönlichen Videobotschaft an seine Zuschauer.
"Nach 27 Jahren heißt es für mich Abschied nehmen vom ORF. Aber wer mich kennt, weiß: Still wird es um mich bestimmt nicht", schreibt Wehrschütz augenzwinkernd zu seinem Facebook-Video.
Doch hinter dem humorvollen Kommentar steckt ein Abschied, der dem langjährigen Ukraine-Korrespondenten sichtlich schwerfällt.
In seiner Videobotschaft spricht Wehrschütz zunächst über die Bedeutung seiner Arbeit in der Ukraine. Seit 2014, dem Beginn der Maidan-Proteste, war er dort als ORF-Korrespondent tätig.
Nun heißt es für ihn Abschied nehmen von dieser Funktion und seinem bisherigen Büro. "Es ist dies ein besonderes Video und ein Video, das mir besonders schwer fällt", erklärt der Journalist.
Seine Gefühle seien widersprüchlich. Einerseits empfinde er große Dankbarkeit für alles, was er in den vergangenen Jahrzehnten erleben durfte. Andererseits beschäftige ihn die Zukunft jener Menschen, die in der Ukraine zurückbleiben.
Besonders seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen Wehrschütz am Herzen. Während für ihn ein neuer Lebensabschnitt beginnt, werden sie ihre Arbeit weiterhin in der vom Krieg gezeichneten Ukraine fortsetzen.
"Das eine ist die Dankbarkeit für all das, was ich erleben und überleben durfte. Das andere ist die Sorge um meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier weiter arbeiten werden", sagt er. Seinem Team habe er versprochen, auch künftig nach Möglichkeit für sie da zu sein.
Für Wehrschütz waren die vergangenen Jahre nicht nur beruflich herausfordernd. Der Journalist berichtete aus Kriegsgebieten und geriet dabei selbst wiederholt in gefährliche Situationen.
Zum Abschied blickt der 65-Jährige auch auf die vielen Menschen zurück, die er während seiner Tätigkeit kennengelernt hat. Er habe sich von Freunden unterschiedlichster Nationalitäten verabschiedet und dabei eine wichtige Erfahrung gemacht.
"Freundschaft kennt keine Staatsgrenzen", betont Wehrschütz in seiner Botschaft. Entscheidend sei vielmehr, ob Menschen miteinander harmonieren – unabhängig davon, woher sie kommen.
Auch bei seinem Publikum bedankt er sich ausdrücklich. Über Jahrzehnte begleitete der gebürtige Steirer die Österreicher mit seinen Berichten vom Balkan und später aus der Ukraine.
Am 1. November will Christian Wehrschütz (65) dort aufwachen, wo er sich besonders wohlfühlt: auf der steirischen Teichalm, neben seiner Frau Sissy. Keine Live-Einstiege, keine Termine an der Front und vor allem keine Angst vor Raketen oder Drohnen.
Ganz ohne neue Projekte geht Wehrschütz allerdings nicht. In seinem Video stellt er auch sein neues Buch "Heimkehr" vor. Darin verarbeitet er seine Erfahrungen und persönlichen Erkenntnisse aus 27 Jahren als Auslandskorrespondent.
Außerdem kündigt er ein besonderes Video mit Musik an, das seine gesamte Zeit als Korrespondent aufgreifen soll. Dieses ist ab 31. Oktober auf seinen sozialen Netzwerken zu sehen. Damit will Wehrschütz seinen langjährigen Weg beim ORF noch einmal Revue passieren lassen.
Bereits Anfang Oktober hatte Wehrschütz im Gespräch mit der APA über seinen bevorstehenden Abschied gesprochen. Damals erklärte er, dass es ihm einerseits schwerfalle, seinen Beruf aufzugeben. Andererseits freue er sich darauf, künftig nicht mehr jederzeit für Live-Einstiege bereitstehen zu müssen.
Vor allem seine Familie dürfte aufatmen. Durch die zunehmende Gefahr von Drohnen- und Raketenangriffen war seine Arbeit in der Ukraine zuletzt immer riskanter geworden.
Die Leitung seines Korrespondentenbüros gibt Wehrschütz mit Ende Oktober ab. Mit Jahresende folgt offiziell die Pensionierung. Die Ukraine-Berichterstattung für den ORF soll künftig Paul Krisai aus dem Budapester Büro übernehmen.
Trotz des Abschieds will Wehrschütz keineswegs völlig aus der Öffentlichkeit verschwinden. "Ich kann euch versichern, es wird eine Zeit nach dem ORF geben", kündigt er in seiner Botschaft an.
Wie genau dieser neue Lebensabschnitt aussehen wird, lässt er zunächst offen. Neben seinen Buchprojekten möchte der Journalist künftig auch mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.
Zum Schluss seiner Videobotschaft greift Wehrschütz einen bekannten Gedanken auf: Man solle gehen, wenn es am schönsten ist. Mit den Worten "Euer Christian Wehrschütz, ad multos annos" ("Auf viele Jahre!") verabschiedet er sich schließlich von seinem Publikum.
Nach 27 Jahren endet damit eine außergewöhnliche Korrespondentenkarriere beim ORF. Sein letztes Video macht aber deutlich: Christian Wehrschütz hat noch einiges vor.