Österreichs Wirtschaft kommt langsam wieder auf die Beine. Doch für die Bevölkerung gibt es vorerst wenig Grund zum Jubeln: Die Preise steigen weiterhin kräftig, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch und auch bei den Zinsen droht die nächste unangenehme Überraschung. Das zeigt die aktuelle Wirtschaftsprognose der UniCredit Bank.
Immerhin: Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft hat sich im September etwas verbessert. Der sogenannte Konjunkturindikator der Bank Austria stieg auf minus 0,5 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Beginn des US-Angriffs auf den Iran und der Blockade der Straße von Hormus.
"Die Konjunkturstimmung in Österreich erweist sich trotz der anhaltenden Belastungen als bemerkenswert widerstandsfähig", erklärt Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. In allen Wirtschaftsbereichen sei die Stimmung zu Beginn des Herbsts günstiger als unmittelbar nach Beginn der Spannungen im Nahen Osten.
Besonders die Aussichten für Österreichs Exporte haben sich laut Bank Austria verbessert. Das bedeutet: Heimische Unternehmen können wieder auf mehr Bestellungen für heimische Produkte aus dem Ausland hoffen. Vor allem in Asien, aber auch in den USA und Europa habe sich die Stimmung in der Wirtschaft aufgehellt.
In Österreich selbst sieht es allerdings nicht überall so gut aus. In der Industrie ist die Zuversicht zuletzt wieder etwas gesunken. Schuld daran sind vor allem die hohen Energiekosten, die vielen, vor allem energieintensiven Betrieben zu schaffen machen. Auch in der Bauwirtschaft hat sich die Stimmung leicht verschlechtert.
Etwas besser läuft es hingegen im Dienstleistungssektor. Insbesondere im Handel und in vielen unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen nahm die Zuversicht zu.
Bei den Konsumenten ist von Aufbruchstimmung allerdings wenig zu spüren. Die anhaltend hohe Inflation belastet, so der Bericht, weiterhin die Kaufkraft der privaten Haushalte. Viele Österreicher bleiben deshalb beim Geldausgeben vorsichtig.
Im Vergleich zum restlichen Euroraum hinkt Österreich bei der Wirtschaftsstimmung zudem weiterhin hinterher. Bereits den siebenten Monat in Folge wird die Lage hierzulande schlechter beurteilt als im Durchschnitt.
Für die kommenden Monate erwarten die Experten dennoch eine langsame Erholung, allerdings gebremst durch internationale Konflikte, hohe Energiepreise, steigende Zinsen und staatliche Sparmaßnahmen.
Konkret rechnet die Bank Austria für 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent steigen.
Auch am Arbeitsmarkt ist vorerst keine große Entspannung in Sicht. Zwar entstehen wieder zusätzliche Arbeitsplätze, allerdings reicht das nicht aus, um "das wachsende Arbeitskräfteangebot vollständig aufzunehmen".
Als Folge ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf gestiegen – und dürfte angesichts des nur leichten Wirtschaftswachstums weiter steigen. Vor diesem Hintergrund habe man, so die Bank-Austria-Experten, die Prognose für die durchschnittliche Arbeitslosenquote 2026 "leicht auf 7,6 Prozent angehoben".
Erst im kommenden Jahr sollte sich die Lage langsam verbessern. Für 2027 rechnen die Fachleute mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent.
Besonders unerfreulich sind die Aussichten bei der Teuerung. Im September sind die Verbraucherpreise nach vorläufigen Berechnungen um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Damit lag die Inflationsrate bereits den zweiten Monat in Folge deutlich über 3-Prozent-Marke.
Hauptverantwortlich dafür sind die gestiegenen Energiepreise. Doch auch bei Dienstleistungen ziehen die Preise weiterhin kräftig an.
Für das gesamte Jahr 2026 erwartet die Bank Austria eine durchschnittliche Inflation von 3,2 Prozent. Und auch 2027 soll es mit einer Teuerungsrate von 2,8 Prozent nur eine leichte Entspannung geben.
Und es könnte noch eine weitere unangenehme Überraschung geben. Weil die Inflation hartnäckig hoch bleibt, rechnet die Bank Austria damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember erneut die Leitzinsen anhebt.
Konkret wird eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte erwartet. Der für Banken wichtige Einlagensatz würde damit auf 2,75 Prozent steigen.
Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer rechnet jedenfalls nicht mit einer schnellen Trendwende: "Für Zinssenkungen sehen wir frühestens Ende 2027 Spielraum."