Mit einem dreisten Trick wollte eine Leasingfirma im Bezirk Korneuburg einen Mitarbeiter offenbar möglichst rasch und günstig loswerden. Der Betrieb behauptete, dass bei einer Kündigung lediglich eine Frist von vier Tagen einzuhalten sei. Doch das war schlicht falsch. Der Beschäftigte ließ sich nicht einschüchtern und holte sich Hilfe bei der Arbeiterkammer Niederösterreich (AK). Am Ende musste die Firma 11.109,84 Euro brutto nachzahlen.
Der Mann war seit Herbst bei dem Personaldienstleister beschäftigt. Ende April flatterte ihm eine E-Mail ins Postfach: Die Firma müsse Personal abbauen. Gleichzeitig forderte der Arbeitgeber den Mitarbeiter auf, umgehend eine einvernehmliche Auflösung seines Dienstverhältnisses mit 3. Mai zu unterschreiben.
Doch der Mann spielte nicht mit. Er wies darauf hin, dass auch bei einer Kündigung die vorgeschriebenen Fristen eingehalten werden müssen. Die Antwort der Firma hatte es in sich: Angeblich gelte lediglich eine Kündigungsfrist von vier Tagen. Der Beschäftigte verweigerte daraufhin die Unterschrift. Trotzdem meldete ihn die Leasingfirma eigenmächtig mit 3. Mai ab.
Der Mann wandte sich an die AK Niederösterreich. Dort stellten die Rechtsexperten klar: Auch bei Leiharbeit gelten die kollektivvertraglichen Kündigungsfristen. Eine einvernehmliche Auflösung ohne Zustimmung des Arbeitnehmers ist nicht zulässig.
Die AK schaltete sich ein und machte die offenen Ansprüche geltend. Mit Erfolg: Der Betrieb musste das ausstehende Entgelt sowie die Kündigungsentschädigung bis Ende Juni vollständig nachzahlen. Insgesamt erhielt der Mann 11.109,84 Euro brutto. "Unsere Experten haben für den Mann über 11.100 Euro geholt", erklärt AK-Niederösterreich-Präsident Markus Wieser.
Wieser findet deutliche Worte für das Vorgehen des Unternehmens: "Einvernehmliche Auflösungen unter Druck und frei erfundene Behaltefristen haben im Arbeitsrecht keinen Platz. Wir lassen nicht zu, dass mit unzulässigen Tricks gearbeitet wird."
Für den betroffenen Arbeitnehmer hat sich seine Hartnäckigkeit jedenfalls ausgezahlt. Statt sich mit einer fragwürdigen Vier-Tage-Frist abspeisen zu lassen, bekam er mehr als 11.100 Euro brutto.