Heftige Kritik an Ardo

"Nicht mit uns!" – Bauern sagen Ardo den Kampf an

Nach dem Ardo-Aus in Groß-Enzersdorf platzt den Bauern der Kragen. Die Landwirtschaftskammer rechnet mit dem Konzern ab und kämpft um eine Lösung.
24.10.2026, 06:45
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Das Aus für den Tiefkühlriesen Ardo in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) sorgt weiter für heftige Reaktionen. Rund 240 Mitarbeiter müssen um ihre Jobs zittern, etwa 500 Gemüsebauern im Marchfeld droht der Verlust eines wichtigen Abnehmers. Jetzt schaltet sich die Landwirtschaftskammer Niederösterreich mit einer Kampfansage ein.

"Ardo hat jahrzehntelang von der Verlässlichkeit der Marchfelder Gemüsebauern profitiert und lässt sie jetzt mit den Folgen seiner Entscheidung zurück", wettert Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Lorenz Mayr gegenüber "Heute". Dass mögliche Lösungen für einen Weiterbetrieb blockiert würden, sei ein Schlag ins Gesicht jener bäuerlichen Familien, die über Generationen in die Partnerschaft mit Ardo investiert hätten.

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"Österreichisches Gemüse raus und belgisches rein – nicht mit uns"

Besonders scharf fällt Mayrs Kritik an einer möglichen Verlagerung der Gemüseversorgung ins Ausland aus. "Wenn Ardo glaubt, österreichisches Gemüse raus und belgisches rein – nicht mit uns. Wir lassen uns österreichisches Gemüse nicht einfach durch ausländische Ware ersetzen." Der Kammer-Vize macht klar: "Vor allem lassen wir die Marchfelder Gemüsebauern nicht im Stich und kämpfen dafür, dass die Verarbeitung im Land bleibt."

Die Dimension ist enorm: Allein im Vorjahr lieferten die Bauern laut FPÖ rund 40.000 Tonnen Gemüse im Wert von 18,5 Millionen Euro an Ardo. Viele Betriebe haben über Jahre in Maschinen und Infrastruktur investiert. Ein kurzfristiger Umstieg auf andere Kulturen ist für sie kaum möglich.

Investoren stehen bereits in den Startlöchern

Doch es gibt auch Hoffnung. Hinter den Kulissen wird fieberhaft nach einer Lösung gesucht, um die heimische Tiefkühlgemüseproduktion zu retten. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung für die heimische Tiefkühlgemüseproduktion. Konkrete Gespräche mit potenziellen Investoren und Übernahmeinteressenten laufen bereits. Das Ziel ist klar: Tiefkühlgemüse aus Österreich muss Zukunft haben", betont Mayr.

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Auch die Wirtschaftskammer Niederösterreich stellt sich hinter die Bemühungen. "Die Wirtschaftskammer Niederösterreich unterstützt jegliche Form einer Lösung, die den Fortbestand einer Tiefkühlproduktion in Österreich sicherstellt", heißt es auf "Heute"-Anfrage.

Minister rechnet mit Ardo ab

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hatte bereits scharfe Kritik am belgischen Konzern geübt. Trotz zweier Krisengespräche und eines Schreibens an Ardo blieb die Konzernführung bei ihrem Schließungsplan. Auch das Angebot zweier interessierter Investoren sei laut Totschnig abgelehnt worden.

"Die Mitarbeiter und Bauern sind ihnen egal", kritisierte der Minister. Weitere Gespräche mit Ardo hält er inzwischen für aussichtslos. Stattdessen soll eine alternative Lösung gefunden werden, die der Bund auch mit Investitionsfördermitteln unterstützen könnte.

240 Mitarbeiter vor ungewisser Zukunft

Während um die heimische Gemüseproduktion gekämpft wird, läuft für die Belegschaft bereits die Zeit ab. Ende Dezember soll die Gemüseproduktion eingestellt werden, im August 2027 der gesamte Standort endgültig schließen.

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Laut Betriebsrat Dietmar Breiner sind drei Kündigungswellen geplant: Ende Dezember, im März und Ende Juni. Besonders dramatisch ist die Situation für die vielen Familien, in denen beide Elternteile bei Ardo beschäftigt sind. Sie könnten auf einen Schlag gleich beide Einkommen verlieren.

Auch heimischer Tiefkühlspinat in Gefahr

Für die Konsumenten steht ebenfalls viel auf dem Spiel. Im Ardo-Werk befindet sich Österreichs einzige Produktionslinie für Tiefkühlspinat. Ob es 2027 noch heimischen Tiefkühlspinat zu kaufen gibt, ist derzeit ungewiss.

Immerhin: Die heurige Ernte von Spinat, Rotkraut und Karotten soll Ardo noch vollständig verarbeiten, hieß es kürzlich. Wie es danach weitergeht, bleibt offen.

VF, 24.10.2026, 06:45