Anfang Juli präsentierte die Regierung eine umfassende Gesundheitsreform. Im Zuge derer wollen Bund, Länder und Sozialversicherung die Primärversorgung ausbauen und Wartezeiten verkürzen. In einem Interview mit der "Presse" äußerte sich ÖGK-Obmann Andreas Huss nun zu den Plänen.
Neben dem geplanten Ausbau von Facharztzentren als "Herzstück" der Gesundheitsreform ging es im Interview auch um einen zentralen Kritikpunkt: fehlende Prävention. Experten fordern immer wieder, hier anzusetzen - etwa in Form von Bonussystemen, mit denen gesundheitsbewusstes Verhalten belohnt wird. Huss macht jedoch klar: "Dieses Geld haben wir nicht".
Huss betont, dass Prävention für ihn ein "zentrales Thema" darstelle. Gleichzeitig macht er darauf aufmerksam, dass Modelle mit Bonussystemen, etwa für Gesundheits-Checks, sehr teuer sind. "Jedem, der sich impfen lässt oder zur Vorsorgeuntersuchung geht, Geld zu geben, würde der ÖGK eine Milliarde Euro kosten. Das ist Geld, das wir nicht haben und so auch nicht einsetzen wollen", so der ÖGK- Obmann im "Presse"-Interview.
Dazu nennt Huss auch ein konkretes Beispiel: Fast die Hälfte der österreichischen Kinder leiden unter Karies. "Jetzt kann ich sagen: Wenn du mit deinem Kind regelmäßig zum Zahnarzt gehst, kriegst du einen Hunderter", nennt Huss mögliche Maßnahmen. Und macht sofort klar: "Dieses Geld haben wir nicht".
"Wir müssen nicht jene, die sich eh um ihre Gesundheit kümmern, belohnen, sondern jene abholen, die sich nicht kümmern oder kümmern können", betont der ÖGK-Obmann weiter. Als Lösungen sieht er gesundheitsbewusste Erziehung schon in der Kindheit und verschiedene "Gesundheitskompetenz-Programme".
Prompte Kritik gibt es nun vonseiten der FPÖ. Deren Gesundheitssprecher und Vorsitzender des parlamentarischen Gesundheitsausschusses Gerhard Kaniak sieht in den Reformplänen eine "verfehlte Weichenstellung für das österreichische Gesundheitssystem". Besonders an Huss´ Absage an Bonussystemen für gesundheitsbewusstes Verhalten stört er sich sehr.
„Der ÖGK-Chef bestraft Gesundheitsbewusste, statt Systemfehler zu beheben“Gerhard KaniakVorsitzende des parlamentarischen Gesundheitsausschusses (FPÖ)
"Statt Anreize für Vorsorge und einen gesunden Lebensstil zu schaffen, sollen jene, die das System entlasten, leer ausgehen. Das untergräbt das Leistungsprinzip und ist zutiefst unfair“, betont Kaniak. Ein funktionierendes System müsse seiner Meinung nach positives Verhalten fördern.
Das Argument, es fehle an Geld, lässt Kaniak nicht gelten: "Es ist eine Frage der Prioritätensetzung, ob man in die Prävention und damit in die langfristige Gesundheit der Bevölkerung investiert.“
ÖGK-Obmann Andreas Huss will trotz aller Kritik an der geplanten Gesundheitsreform festhalten. Ein besonderer Fokus soll auf den Ausbau von Facharztzentren gelegt werden, um ambulante Behandlung zu fördern und das Gesundheitssystem flexibler zu gestalten.