Die Kosten für Medikamente setzen das Gesundheitssystem zunehmend unter Druck. Laut dem aktuellen Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungsträger beliefen sich die Ausgaben für die Heilmittelversorgung im vergangenen Jahr auf 4,9 Milliarden Euro. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) kündigte nun Maßnahmen an, um die steigenden Kosten einzudämmen.
Gegenüber dem ORF-"Morgenjournal" verwies die Ministerin auf den verstärkten Einsatz von Generika sowie auf eine zentrale Beschaffung besonders teurer Arzneimittel. Gleichzeitig sieht sie auch die Pharmaindustrie in der Verantwortung.
Laut Heilmittelreport stiegen die Kosten im Vergleich zu 2024 um 7,5 Prozent. Gegenüber 2013 entspricht das einem Plus von 88,2 Prozent. Neben Politik und Sozialversicherung seien auch die Pharmaunternehmen gefordert, "faire und nachhaltige Preise" sicherzustellen, betonte Schumann.
Kritik an den Aussagen der Ministerin kommt von der FPÖ. Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak sprach von einer "wenig zielführende Scheindebatte". Die alleinige Schuldzuweisung an die Pharmaindustrie "gehe am Kern des Problems vorbei und lenke von den tatsächlichen strukturellen Herausforderungen im österreichischen Gesundheitssystem ab".
"Anstatt die hausgemachten Schwierigkeiten wie die enormen, durch Reformrückstau verursachten, Verwaltungskosten der ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) oder die stetig steigende Belastung des Systems anzugehen, wird ein externer Sündenbock präsentiert. Das ist unehrlich gegenüber den Bürgern und schadet dem Wirtschaftsstandort", so Kaniak.
Der Heilmittelreport sieht bei Lieferengpässen eine Verbesserung. In vier von fünf Fällen könne inzwischen auf ein wirkstoffgleiches Medikament ausgewichen werden. In den übrigen Fällen stünden gleichwertige Präparate oder andere Packungsgrößen zur Verfügung.
Der Verband der Österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler (PHAGO) bewertet die Lage hingegen deutlich kritischer. Nach seinen Angaben gibt es derzeit bei rund 1.220 Arzneimitteln – das entspricht 11,4 Prozent des Gesamtmarktes – Probleme beim Nachschub. Betroffen seien unter anderem Augentropfen, Antidiabetika sowie Medikamente gegen Blut- und Hauterkrankungen.
"Wenn ein Medikament beim Hersteller nicht verfügbar ist, tun wir alles, um die Lücke durch unsere Sicherheitsbestände, unser Zuteilungsmanagement und unsere Logistik zu schließen", erklärte Monika Vögele.
Auch die Apotheker sehen weiterhin großen Aufwand. "Es ist höchste Zeit, dass die personal- und zeitintensive Bewältigung von Lieferengpässen in den Apotheken nicht nur in Heilreporten anerkannt, sondern finanziell angemessen honoriert wird", betonte Apothekerkammer-Vizepräsident Raimund Podroschko.