Die Ausgaben für Medikamente steigen in Österreich kräftig an. Wie aus dem ersten Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungsträger (DVSV) hervorgeht, beliefen sich die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung für Heilmittel im Jahr 2025 auf 4,9 Milliarden Euro. Das sind 7,5 Prozent mehr als 2024 und sogar 88,2 Prozent mehr als 2013.
Trotz steigender Kosten spricht der Dachverband von einer sehr guten Versorgung. Österreich verfüge über eines der dichtesten und zugänglichsten Heilmittelversorgungssysteme Europas. 99 Prozent der Bevölkerung sind krankenversichert, 68 Prozent der Anspruchsberechtigten bezogen 2025 mindestens ein Medikament auf Kosten der Krankenversicherung.
Der Erstattungskodex (EKO) umfasst mittlerweile 7.756 Medikamentenpackungen – so viele wie nie zuvor. Seit seiner Einführung vor 20 Jahren ist das Angebot damit um 50 Prozent gewachsen. Mehr als 90 Prozent aller Patienten werden vollständig mit Medikamenten aus dem EKO versorgt. Rund 69 Prozent kommen ausschließlich mit Medikamenten aus der grünen Box aus, das heißt, mit Arzneimitteln, die frei verschrieben werden können.
Gleichzeitig steigt der Anteil jener Patienten, die Medikamente aus dem gelben Bereich des EKO benötigen. Dort befinden sich teilweise sehr teure Medikamente. 2025 betraf das 21,5 Prozent bzw. rund 1,3 Millionen Patienten – deutlich mehr als noch im Jahr davor.
Im Durchschnitt verursachte jeder Heilmittelpatient Kosten von 803 Euro im Jahr. Das entspricht einem Plus von 11 Prozent gegenüber 2024 und 86 Prozent gegenüber 2013. Gleichzeitig ging die Zahl der Kassenverordnungen von rund 122 Millionen im Jahr 2013 auf 106 Millionen im Jahr 2025 zurück. Das liegt laut Report vor allem daran, dass immer mehr günstige Medikamente weniger kosten als die Rezeptgebühr. Sie werden deshalb nicht mehr als Kassenverordnungen erfasst, obwohl sie weiterhin abgegeben werden.
Besonders groß ist der Unterschied zwischen Medikamenten mit Marktexklusivität und Medikamenten im ersetzbaren Markt. Eine Verordnung eines Medikaments ohne wirkstoffgleiche Nachfolger kostete 2025 durchschnittlich 86,92 Euro, während eine Verordnung im ersetzbaren Markt mit Wettbewerb nur 16,67 Euro kostete.
Insgesamt entfielen 77,2 Prozent der EKO-Kosten auf den patentgeschützten Bereich. Weitere 655,6 Millionen Euro bzw. 13,2 Prozent der Gesamtkosten entstanden durch Medikamente außerhalb des Erstattungskodex.
Mit zunehmendem Alter steigt auch der Medikamentenbedarf. Menschen über 60 Jahre erhielten 2025 durchschnittlich rund 31 Verordnungen pro Jahr. Bei den unter 60-Jährigen waren es 9,1 Verordnungen. Besonders kostenintensiv sind einzelne Therapien: 3.366 Patienten benötigten Medikamente im Wert von jeweils mehr als 100.000 Euro pro Jahr. Die höchsten jährlichen Heilmittelkosten lagen bei bis zu 1,5 Millionen Euro pro Patient.
Im internationalen Vergleich schneidet Österreich gut ab. 82 Prozent aller zwischen 2020 und 2023 neu zugelassenen Medikamente in Europa sind hierzulande bereits verfügbar. Damit liegt Österreich unter den Top 3 Europas. Von der EU-Zulassung bis zur Marktverfügbarkeit vergehen durchschnittlich 309 Tage – deutlich weniger als der EU-Durchschnitt von 578 Tagen.