Wenn das Thermometer tagelang über 30 Grad klettert, gerät nicht nur unser Kreislauf an seine Grenzen. Auch Medikamente können bei großer Hitze plötzlich anders wirken als gewohnt. Was viele nicht wissen: Schon ein hoher Flüssigkeitsverlust oder falsch gelagerte Arzneimittel können die Wirkung verändern – mit teils ernsthaften Folgen.
Besonders Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten deshalb während einer Hitzewelle besonders aufmerksam sein. Experten warnen: Hohe Temperaturen können sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit zahlreicher Arzneimittel beeinflussen.
An heißen Tagen versucht der Körper, sich selbst zu kühlen. Die Blutgefäße erweitern sich, der Blutdruck sinkt und durch das starke Schwitzen verliert der Körper viel Flüssigkeit – oft bis zu zwei Liter zusätzlich pro Tag. Mit dem Schweiß gehen außerdem wichtige Mineralstoffe, sogenannte Elektrolyte, verloren. Genau das kann problematisch werden.
"Der Elektrolytverlust beeinflusst das Herz-Kreislauf-System und lässt den Blutdruck, der durch die Hitze ohnehin schon niedriger sein kann, noch weiter abfallen", erklärt Gunda Gittler, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhauspharmazie gegenüber dem "ORF". Die Folge können Schwindel, Kreislaufprobleme oder sogar Ohnmachtsanfälle sein.
Vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten bei großer Hitze vorsichtig sein: Blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente können den Flüssigkeitsverlust zusätzlich verstärken. Gleichzeitig gibt es Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung gar nicht unbegrenzt trinken dürfen.
"Man muss da sehr vorsichtig sein und ärztlichen Rat einholen oder auch in der Apotheke fragen, wie man diese Medikamente und Trinkmengen bei Hitze am besten anpasst", rät Gittler. Auch Schilddrüsenmedikamente oder sogenannte SGLT2-Hemmer zur Behandlung von Typ-2-Diabetes können den Flüssigkeitsverlust erhöhen.
Nicht nur Herzmedikamente reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen: Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol werden über die Nieren ausgeschieden. Sind diese durch Flüssigkeitsmangel bereits belastet, kann das zusätzliche Probleme verursachen.
Auch manche Antidepressiva, Neuroleptika oder Antiepileptika verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sie können das Schwitzen hemmen oder das Durstgefühl verringern. Dadurch steigt das Risiko für eine Dehydrierung – und im schlimmsten Fall sogar für einen Hitzschlag.
Hitze kann sogar Medikamente beeinflussen, die viele täglich selbstverständlich einnehmen. Laut Gittler können starkes Schwitzen und eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme die Wirkung hormoneller Präparate verändern. Dazu zählen unter anderem die Antibabypille oder Insulin.
"Hormone sind ja meistens in sehr, sehr geringen Dosen im Körper und daher können selbst sehr kleine Schwankungen unerwünschte Wirkungen hervorrufen oder vermehrt zu Nebenwirkungen führen", erklärt die Expertin. Bei Insulin kommt hinzu, dass es an heißen Tagen schneller aufgenommen werden kann. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel rascher, wodurch das Risiko für Unterzuckerungen steigt.
Nicht nur der Körper leidet unter der Hitze – auch Medikamente selbst. Tabletten sollten möglichst bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad gelagert werden. Werden sie längere Zeit großer Hitze ausgesetzt, kann ihre Haltbarkeit sinken. Verändern Tabletten ihre Farbe, riechen ungewöhnlich oder verändern ihre Konsistenz, sollten sie nicht mehr eingenommen werden.
Besonders empfindlich sind Zäpfchen, die bereits bei Körpertemperatur schmelzen können. Kühlpflichtige Medikamente wie bestimmte Insuline, Biologika oder einige Augentropfen gehören hingegen unbedingt in den Kühlschrank.