Expertin spricht Klartext

"Wird nicht besser" – Müssen uns mit Hitze arrangieren

35 Grad und mehr? Stressforscherin Claudia Traunmüller verrät, wie man sich schützt – und warum Jammern die Hitze noch belastender macht.
Christine Scharfetter
24.06.2026, 09:15
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Die Hitzewelle hat Europa fest im Griff – und viele Österreicherinnen und Österreicher stöhnen. Doch genau das kann zum Problem werden. Stressforscherin und Gesundheitspsychologin Claudia Traunmüller von der Uni Graz warnt: "Wer sich die Hitze permanent schlechtredet, macht es sich noch schwerer."

Nicht jammern, sondern planen

Natürlich sei Hitze belastend, sagt die Expertin. Vor allem für ältere Menschen, chronisch Kranke oder Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen. Für gesunde Menschen gelte aber vor allem eines: vorbereitet statt panisch sein.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Wenn man schon drei Tage vorher wie ein Mantra vor sich hersagt: ,Oh Gott, oh Gott, oh Gott', macht das die Situation natürlich nicht besser", so Traunmüller. Stattdessen empfiehlt die Expertin einen lösungsorientierten Zugang: Was kann ich konkret tun, damit es erträglicher wird?

Früh aufstehen

Wer weiß, dass mehrere heiße Tage bevorstehen, sollte schon am Morgen handeln. "Es lohnt sich, früher aufzustehen, die kühlere Luft in die Wohnräume zu lassen und danach alles möglichst gut zu verschatten", sagt Traunmüller.

Ebenso wichtig: Anstrengende Aktivitäten in der größten Hitze vermeiden. Vor allem zwischen Mittag und spätem Nachmittag sollte der Körper nicht zusätzlich belastet werden. Wer bei 37 Grad noch volle Leistung beim Sport bringen will, fordert seinen Kreislauf unnötig heraus.

Ältere spüren Durst oft zu spät

Ein großes Risiko sieht die Expertin bei älteren Menschen. Mit zunehmendem Alter nehme oft das Durstgefühl ab. Gleichzeitig werde Hitze häufig weniger stark wahrgenommen. Das könne dazu führen, dass Betroffene zu wenig trinken oder sogar heiße Luft durch offene Fenster in die Wohnung lassen. "Man muss aktiv auf die Hitze reagieren", betont Traunmüller. Dazu gehören ausreichend Flüssigkeit, geschlossene Fenster während der heißesten Stunden und möglichst wenig körperliche Belastung.

Zudem habe sich "die Intensität der Sonne hat sich verändert", sagt Traunmüller. Sonnencreme, Kopfbedeckung und möglichst schattige Aufenthaltsorte gehören daher mittlerweile zur Grundausstattung an heißen Tagen.

Leicht essen statt Schnitzel-Schock

Auch beim Essen kann man den Körper unterstützen. Schwere, fettige oder sehr scharfe Speisen seien an Hitzetagen eher kontraproduktiv.

Besser seien leichte Gerichte nach mediterranem Vorbild, viel Gemüse, Obst und ausreichend Flüssigkeit. "Wir sollten versuchen, den Körper zu entlasten. Er ist durch die Hitze ohnehin schon belastet genug."

Klimaanlage? Ja, aber mit Maß

Immer mehr Haushalte rüsten Klimaanlagen nach. Grundsätzlich sei das sinnvoll, wenn Wohnungen stark aufheizen. Problematisch werde es erst bei extremen Temperaturunterschieden.

"Das, was die Leute krank macht, ist meist nicht die Klimaanlage selbst, sondern der extreme Wechsel zwischen heiß und kalt." Bei 37 Grad Außentemperatur müsse niemand das Wohnzimmer auf 15 Grad herunterkühlen.

Als Faustregel nennt Traunmüller einen Unterschied von rund zehn Grad. "Wenn es draußen 37 Grad hat, würde ich nicht unter etwa 24 Grad gehen."

Die neue Realität akzeptieren

Für die Psychologin steht fest: Hitzewellen werden häufiger. Umso wichtiger sei es, sich darauf einzustellen, statt gegen die Realität anzukämpfen. "Wenn man die Hausaufgaben gemacht hat – lüften, verdunkeln, trinken und sich schützen –, dann hilft es, die Situation anzunehmen und das Beste daraus zu machen", sagt Traunmüller.

Denn eines sei sicher: Die Hitze verschwindet nicht, nur weil man sich über sie ärgert.

{title && {title} } kiky, {title && {title} } Akt. 24.06.2026, 09:20, 24.06.2026, 09:15
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