Nach dem Tod des Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes versinkt Teile Mexikos in Gewalt. Brennende Fahrzeuge, blockierte Straßen und gestrichene Flüge sorgen für Ausnahmezustand.
Die mexikanische Armee hatte zuvor bekanntgegeben, dass "El Mencho", Anführer des mächtigen Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), bei einem Einsatz in der Stadt Tapalpa im Bundesstaat Jalisco verletzt wurde und auf dem Flug nach Mexiko-Stadt starb. Auf ihn war in den USA eine Belohnung von 15 Millionen Dollar (12,7 Millionen Euro) ausgesetzt.
Laut Armeeangaben kamen bei dem Einsatz neben "El Mencho" sechs mutmaßliche Bandenmitglieder ums Leben, drei Soldaten wurden verletzt. Zwei Verdächtige wurden festgenommen, zudem beschlagnahmten die Sicherheitskräfte zahlreiche Waffen, darunter auch Raketenwerfer. Die mexikanische Armee arbeitete nach eigenen Angaben mit "ergänzenden Informationen" von US-Behörden.
Kurz nach Bekanntwerden der Tötung kam es am Sonntag in mehreren Landesteilen zu gewaltsamen Ausschreitungen. Im westmexikanischen Bundesstaat Jalisco blockierten mutmaßliche Kartellmitglieder mehr als 20 Straßen mit brennenden Autos und Lastwagen. Auch im Bundesstaat Michoacán sowie im beliebten Badeort Puerto Vallarta wurden ähnliche Blockaden gemeldet.
In Jalisco, wo im Sommer vier Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer stattfinden sollen, wurden sämtliche Veranstaltungen mit großen Menschenansammlungen abgesagt. Auch der Präsenzunterricht für Montag wurde gestrichen. In der Hauptstadt Guadalajara blieben Geschäfte, Apotheken und Tankstellen geschlossen, die Straßen waren nahezu menschenleer.
María Medina, die an einer Tankstelle arbeitet, die in Brand gesetzt wurde, schilderte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die dramatischen Momente. Bewaffnete Männer seien erschienen und hätten alle angewiesen, das Gelände zu verlassen. "Ich dachte sie würden uns entführen", sagte Medina.
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung zur Besonnenheit auf und erklärte, die Regierung stehe in enger Abstimmung mit den Behörden der betroffenen Bundesstaaten.
Auch international hatte die Eskalation Folgen. Mehrere nordamerikanische Fluggesellschaften sagten Flüge in mexikanische Städte wie Puerto Vallarta, Guadalajara und Manzanillo ab. Airlines wie United, Southwest und Air Canada teilten mit, ihre Verbindungen vorerst auszusetzen. Einige Maschinen, die sich bereits auf dem Weg nach Mexiko befanden, kehrten um. Zudem wurden mehrere Fußballspiele abgesagt.
Das US-Außenministerium forderte US-Bürger in Mexiko auf, sich "an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort in Sicherheit zu bringen und dort zu bleiben". Die kanadische Regierung riet ihren Staatsangehörigen, "unauffällig zu bleiben" und den Anweisungen der lokalen Behörden Folge zu leisten. Bürger in den Bundesstaaten Jalisco, Michoacán und Guerrero sollten Schutz suchen.
Der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau begrüßte den Militäreinsatz und bezeichnete "El Mencho" als "einen der blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse". Es sei "eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die Welt", erklärte er.
Das 2009 gegründete Kartell Jalisco Nueva Generación gilt als besonders gewalttätig. US-Präsident Donald Trump hat mehrere mexikanische Drogenkartelle als terroristische Organisationen eingestuft. Den US-Behörden zufolge schmuggelt das CJNG Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl über die Grenze in die Vereinigten Staaten.
Die Tötung von "El Mencho" gilt als bedeutendster Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle seit der Festnahme von Joaquín "El Chapo" Guzmán und Ismael "El Mayo" Zambada, die in den USA in Haft sitzen.