Das Paket ist ausgepackt, der Karton aber viel zu schade für den Müll. Also wandert er in den Keller, unters Bett oder oben auf den Kasten – schließlich kann man ihn irgendwann bestimmt noch brauchen. Dort bleibt er dann gerne monatelang liegen.
Was praktisch klingt, kann allerdings ungebetene Gäste freuen: Kartons bieten verschiedenen Krabbeltieren Nahrung, Verstecke oder sogar beides. Besonders bei Verpackungen, die mit Lieferungen ins Haus kommen, lohnt sich deshalb ein genauer Blick.
Der Entomologe Aaron Ashbrook von der Louisiana State University erklärt gegenüber der "Huffpost": "Karton ist erstaunlich attraktiv für Kakerlaken". In seinen Schabenkolonien setzt er Karton bewusst als Unterschlupf ein. Die Tiere fressen daran und nehmen aus feuchtem Karton sogar Wasser auf – ein echtes Festmahl für die Krabbeltiere.
Schaben mögen es dunkel und ziehen sich tagsüber bevorzugt in Ritzen und Spalten zurück. Davon hat insbesondere Wellpappe reichlich zu bieten. Die vielen kleinen Zwischenräume können den Tieren geschützte Rückzugsorte liefern. Auch beim Futter sind Schaben wenig wählerisch: Das deutsche Umweltbundesamt weist darauf hin, dass sie neben Lebensmitteln und Essensresten auch an Materialien wie Papier oder Leder fressen.
Noch problematischer wird es, wenn Kartons feucht werden: Keller, Abstellräume oder schlecht belüftete Ecken können Verpackungen deshalb zu besonders ungünstigen Dauerbewohnern machen.
Mindestens genauso interessant ist Karton für ein Tier, das viele zunächst mit dem Silberfischchen verwechseln: das Papierfischchen. Während Silberfischchen vor allem feuchte Bereiche bevorzugen, kommen Papierfischchen auch mit trockeneren, normal beheizten Wohnräumen zurecht. Sie ernähren sich unter anderem von stärke- und zuckerhaltigen Materialien und können sich an Papier, Buchleim oder ähnlichen Materialien zu schaffen machen.
Besonders unangenehm: Die kleinen Krabbler können bereits mit dem Paket ins Haus kommen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus nennt Versandkartons und Verpackungsmaterialien als möglichen Verbreitungsweg. Die Tiere können darin unbemerkt mitgeliefert werden und so in Wohnungen gelangen.
Ein einzelner Karton in der Wohnung bedeutet natürlich nicht automatisch, dass du dir damit Schädlinge ins Haus holst. Trotzdem gibt es gute Gründe, unnötige Verpackungen nicht monatelang zu stapeln.
Vor allem alte, feuchte oder verschmutzte Kartons solltest du besser entsorgen. Bei neu gelieferten Paketen kann es außerdem sinnvoll sein, Verpackungsmaterial kurz zu kontrollieren und anschließend zeitnah aus der Wohnung zu bringen. Fachinformationen zu Papierfischchen empfehlen sogar, Umverpackungen möglichst rasch zu entfernen und zu entsorgen.
Und was ist mit Silberfischchen oder Spinnen? Silberfischchen können ebenfalls stärkehaltige Stoffe verwerten, sind aber stärker auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Papierfischchen sind in trockenen Wohnräumen daher die interessanteren Kandidaten. Spinnen wiederum haben es nicht auf die Pappe selbst abgesehen. Eine ruhige, dunkle Schachtel kann ihnen schlicht als Versteck dienen.