Er gilt als lebendes Kulturerbe der Habsburgermonarchie und ist heute eine echte Rarität: Der Österreichisch-Ungarische Weiße Barockesel zählt zu den seltensten Nutztierrassen Europas. Zum Schutz der bedrohten Tiere widmet die Österreichische Post dem außergewöhnlichen Vierbeiner nun eine eigene Sonderbriefmarke.
Um den Weißen Barockesel ranken sich zahlreiche Legenden. Der Überlieferung nach ließ ihn der Adel gezielt züchten, weil helle Tiere als Glücks- und Lichtbringer galten. Dunkel gefärbte Tiere hingegen wurden früher oft mit Unglück und Tod in Verbindung gebracht.
Mit dem Ende der Monarchie verschwand auch die außergewöhnliche Eselrasse fast vollständig. Erst in den 1980er-Jahren wurden einige wenige Zuchttiere wiederentdeckt. Heute existieren weltweit nur noch rund 400 eingetragene Tiere – eine der wichtigsten Populationen lebt auf Schloss Hof im Marchfeld.
Sein schneeweißes Fell und die auffallend blauen Augen machen den Weißen Barockesel unverwechselbar. Die helle Fellfarbe entsteht durch den sogenannten "Flavismus" (die Cremello-Färbung), eine genetische Besonderheit, bei der Fell, Haut und Hufe nur schwach pigmentiert sind. Seit 2016 ist der Weiße Barockesel offiziell als eigene Rasse anerkannt.
Trotz seines edlen Aussehens ist der Barockesel ein typischer Esel: robust, genügsam, mutig und mit einer Lebenserwartung von bis zu 40 Jahren. Er wird unter anderem als Kinderreit- und Kutschentier, in der tiergestützten Therapie sowie zur Landschaftspflege eingesetzt.
Im Rahmen der beliebten Briefmarkenserie "Seltene Nutztierrassen" ziert der Weiße Barockesel nun die diesjährige Ausgabe der Österreichischen Post. Die von Kirsten Lubach gestaltete Marke zeigt eine Stute mit ihrem Fohlen und den charakteristischen blauen Augen.
Die Briefmarke erscheint mit einem Nennwert von 1 Euro in einer Auflage von 250.000 Stück und ist in allen Postfilialen sowie im Onlineshop der Österreichischen Post erhältlich.
Ein besonderes Highlight erwartet Tier- und Briefmarkenfreunde am 31. Juli auf Schloss Hof: Dort öffnet von 10 bis 16 Uhr ein Sonderpostamt. Besucher können die neue Briefmarke, exklusive Sammlersets und Sondereditionen erwerben und ihre Post mit einem speziellen Barockesel-Sonderstempel versehen lassen. Mit etwas Glück begegnen sie dabei auch den seltenen weißen Langohren persönlich.
Der Weiße Barockesel ist damit nicht nur ein Stück österreichischer Geschichte, sondern auch ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass sich engagierter Artenschutz lohnen kann – damit die außergewöhnlichen "Lichtbringer" auch künftig durch das Marchfeld streifen.