Fall von Gewalt gegen Frauen

Grüne fordern ein "Gütesiegel" für Online-Coaches

Ein Online-Coach, der Frauen mit Gewalt "therapiert", sorgt für Empörung. Grün- Familiensprecherin Neßler fordert jetzt ein "Gütesiegel" für Coaches.
Robert Zwickelsdorfer
04.09.2025, 18:00
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"Transformationscoach", "Trainer für innere Ingenieurskunst", "Meister des Lebens": So nennt sich Markus Streinz selbst. Der 37-jährige Oberösterreicher, gelernter Maschinenbautechniker,  bietet Coachings an. Dabei rät er seinen Anhängern zu Gewalt – und übt diese auch selbst aus. So ist in Videos zu sehen, wie er Frauen würgt, schlägt und erniedrigt. Dadurch könne er Krankheiten heilen und Sex-Traumata lösen, verspricht er. Der Preis für die Coachings: stolze 3.000 bis zu 15.000 Euro.

Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt

Eine Frau berichtet, Streinz habe sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. "Aber ich habe so tiefes Vertrauen in das, was Markus macht, dass er mich wortwörtlich umbringen kann und ich immer noch weiß, dass es zu meinem Besten ist." Auch Streinz selbst beteuert: Es passiere "immer alles einvernehmlich".

50 Betroffene bekannt

Rund 50 Betroffene haben sich laut ORF und "Datum"-Magazin an die Bundesstelle für Sektenfragen (BFS) gewandt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ein Vergewaltigungsverfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. BFS-Leiterin Schiesser hält Streinz für "sehr gefährlich" und befürchtet, "dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis jemand durch Streinz’ Praktiken stirbt".

Hasspostings gegen Grüne nach Debatte im Parlament

Die grüne Familien- und Jugendsprecherin Barbara Neßler hat den Fall Streinz schon im Juli im Nationalrat angesprochen und vor Pseudo-Coachings gewarnt. Die Folge: obszöne persönliche Angriffe und widerwärtige Postings von dessen Anhängern.

"Toxische Männlichkeitsbilder in der Online-Pseudp-Coaching-Szene"

Im Gespräch mit "Heute" sagt Neßler: "In der Online-Pseudo-Coaching-Szene passiert Schlimmes: Esoterik, toxische Männlichkeitsbilder und sektenähnliche Strukturen vermischen sich. Menschen werden von ihrem Umfeld isoliert, gedemütigt – teils sogar sexuell missbraucht, wie Betroffene auch über den Österreicher Markus Streinz berichten. Das ist brutal – und politisch wird diese Gefahr noch immer viel zu wenig beachtet."

Psycho-Manipulation

Es sei "absolut nachvollziehbar, dass Menschen – gerade in schwierigen Lebensphasen oder wenn sie sich verloren fühlen – anfällig für Pseudo-Coaches werden. Diese versprechen oft den einen Weg zu Erfolg und Glück. Pseudo-Coaches wissen genau, welche Knöpfe sie in unseren Köpfen drücken müssen", so die Grünen-Mandatarin weiter.

„Wir müssen dieses Problem endlich politisch anpacken.“
Barbara NeßlerFamiliensprecherin, Die Grünen

"Wir müssen dieses Problem endlich ernst nehmen und politisch anpacken", so Neßler. Um solche "gefährlichen Geschäftsmodelle" zu bekämpfen, fordert sie ein verpflichtendes "Gütesiegel" für Online-Coaches mit klaren Qualitätsstandards und Kontrollen. "So schützen wir Konsumentinnen und Konsumenten und machen seriöse Anbieter sichtbar."

{title && {title} } bob, {title && {title} } 04.09.2025, 18:00
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