Ein kurzer Blick in die Kamera und plötzlich geht es nicht nur um die Sehkraft, sondern um das Herz.
Eine neue Auswertung zeigt, dass Künstliche Intelligenz aus Bildern der Netzhaut Hinweise auf das kardiovaskuläre Risiko herauslesen kann. Besonders für Menschen mit Typ-2-Diabetes sind die Blutgefäße oft früher und stärker belastet, was die Prognose wesentlich beeinflussen kann.
Die Idee dahinter ist simpel und zugleich genial. In der Netzhaut sieht man winzige Gefäße sehr deutlich. Wenn sie bereits Schäden zeigen, ist das häufig ein Zeichen dafür, dass auch andere Gefäße im Körper unter Druck stehen.
Genau deshalb gilt die diabetische Retinopathie schon länger als Warnsignal. Wer stärkere Veränderungen im Auge hat, trägt oft auch ein höheres Risiko für schwere Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
In einer Studie, die 2025 im Fachjournal "Cardiovascular Diabetology" veröffentlicht wurde, wurden über 6.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes beobachtet, die zuvor weder einen Herzinfarkt noch einen Schlaganfall hatten.
Ein KI-Modell analysierte ihre Netzhautbilder und berechnete daraus ein Risiko für die nächsten zehn Jahre. Das Ergebnis: Der KI-Wert passte gut zu einem etablierten medizinischen Risiko-Rechner und, noch wichtiger, er sagte auch tatsächlich zukünftige schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse voraus.
Die Berechnung von Risiken braucht Daten, Zeit und oft mehrere Werte aus Labor und Anamnese. Im Praxisalltag bleibt dafür nicht immer genug Spielraum. Ein Netzhautfoto ist hingegen bei vielen Diabeteskontrollen ohnehin Standard. Genau hier könnte die KI als zusätzlicher Hinweis dienen, um Menschen mit erhöhtem Risiko schneller zu erkennen und früher gegenzusteuern.
Trotzdem ist es keine Diagnose auf Knopfdruck. Die KI kann Ärzte unterstützen, aber nicht ersetzen. Entscheidend bleibt, dass Betroffene ihre Kontrollen wahrnehmen und bei Warnzeichen rechtzeitig gehandelt wird.