Europa kommt aus der ungewöhnlichen Wärme nicht heraus: Nach einem Rekordsommer folgt in Westeuropa einer der heißesten Septembermonate seit Messbeginn. Die Folgen sind bereits spürbar: Flüsse führen extrem wenig Wasser, Landwirtschaft und Schifffahrt leiden. Klimaexperten warnen vor einer weiteren Verschärfung.
Der September 2026 hat gleich mehrere Temperaturrekorde gebracht. Besonders betroffen war Westeuropa: Hier war es gemeinsam mit September 2023 so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur lag um ganze 2,51 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020.
Das geht aus aktuellen Daten des EU-Klimawandeldienstes Copernicus hervor, über die auch ORF Science berichtet. Bereits der Sommer war in Westeuropa der wärmste seit Messbeginn gewesen. Die außergewöhnlich hohen Temperaturen setzten sich somit bis in den Herbst fort. Für Europa insgesamt war es der drittwärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen.
Doch nicht nur die hohen Temperaturen bereiten Sorgen. Große Teile West- und Mitteleuropas sowie einige Regionen Osteuropas litten im September unter anhaltender Trockenheit. In mehreren Gebieten verschärfte sich die Situation gegenüber August sogar noch. Besonders deutlich zeigten sich die Auswirkungen an Europas großen Flüssen.
Abschnitte des Rheins, der Donau und der Weichsel führten so wenig Wasser wie noch in keinem anderen September seit Beginn der entsprechenden Erfassung. Auch Teile des französischen Flusssystems Garonne-Dordogne waren betroffen.
Die Folgen waren laut den Klimadaten bereits spürbar: In mehreren Ländern kam es zu Problemen bei der Schifffahrt, der Wasserversorgung und in der Landwirtschaft. Erst gegen Monatsende sorgten Regenfälle in einigen Regionen für Entlastung. In Teilen Frankreichs und Spaniens führten die Niederschläge allerdings auch zu Überschwemmungen.
Anders sah es im Norden Europas aus. Dort sowie in Teilen Nordosteuropas fiel mehr Regen als üblich.
Auch global zeigen die Daten eine außergewöhnliche Entwicklung. Weltweit war der September 2026 der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globale Durchschnittstemperatur lag bei 16,27 Grad und damit um 0,82 Grad über dem Septembermittel von 1991 bis 2020.
Verglichen mit der vorindustriellen Zeit zwischen 1850 und 1900 betrug die Abweichung sogar 1,63 Grad. Damit lag die weltweite Temperatur bereits den zweiten Monat in Folge mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
Besonders auffällig: Auch die Meere waren außergewöhnlich warm. Die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur außerhalb der Polarregionen erreichte im September einen neuen Höchstwert für diesen Monat.
Eine wesentliche Rolle bei der aktuellen Entwicklung spielt das Wetterphänomen El Niño. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik, was Auswirkungen auf das Wetter in vielen Teilen der Erde haben kann.
Derzeit verstärkt sich El Niño weiter. Copernicus rechnet deshalb damit, dass die neue Serie außergewöhnlich warmer Monate bis ins Jahr 2027 anhalten könnte.
Wie stark sich das Wetterphänomen entwickelt, bleibt abzuwarten. Die aktuellen Messwerte im tropischen Pazifik deuten allerdings auf ein außergewöhnlich intensives Ereignis hin.
Angesichts der jüngsten Temperaturentwicklung mahnt Carlo Buontempo, Direktor des EU-Klimawandeldienstes, größere Anstrengungen beim Klimaschutz ein: "Die Überschreitung der langfristigen Grenze des Pariser Klimaabkommens ist nur eine Frage der Zeit", erklärt Buontempo. Gleichzeitig betont er: "Wie weit und wie lange wir sie überschreiten, liegt noch an uns."
Mit dem Pariser Klimaabkommen hatten sich 2015 rund 200 Staaten darauf verständigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Möglichst sollte die Erwärmung auf 1,5 Grad beschränkt werden.
Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen einzelnen Monaten und der langfristigen Entwicklung. Dass die globale Temperatur im September bereits 1,63 Grad über dem vorindustriellen Niveau lag, bedeutet noch nicht, dass das Pariser Klimaziel endgültig verfehlt wurde. Entscheidend ist dafür die Erwärmung über einen längeren Zeitraum.
Dennoch zeigen die jüngsten Zahlen, dass die globale Temperaturentwicklung weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegt. Für Europa bedeutet das nach dem Rekordsommer vor allem eine Fortsetzung der ungewöhnlichen Wärme und Trockenheit - mit spürbaren Auswirkungen auf Flüsse, Landwirtschaft und Wasserversorgung.