Mit den steigenden Temperaturen wächst auch die Belastung für Beschäftigte auf Österreichs Baustellen. Besonders Bauarbeiter seien von der zunehmenden Hitze betroffen, warnt die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH).
Nach der Pressekonferenz zum Thema "Arbeiten bei Hitze" fordert die Gewerkschaft nun strengere Schutzmaßnahmen und eine konsequente Umsetzung der neuen Hitzeschutzverordnung. "Die meistbetroffene Branche ist ganz klar der Bau. Wer bei 35 Grad schwere körperliche Arbeit leisten muss, braucht Schutz und keine Diskussionen darüber, ob Hitze gefährlich ist", sagt GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch.
Laut aktuellen Daten der Gesundheit Österreich GmbH hat sich die Zahl der Hitzetage in Österreich bereits verdreifacht. Besonders betroffen seien Beschäftigte, die im Freien körperlich schwer arbeiten. Mit den Temperaturen steigen laut Studien auch Konzentrationsprobleme, Leistungsabfälle und das Unfallrisiko. Millionen Arbeitsstunden würden bereits durch Hitze verloren gehen – rund die Hälfte davon in der Baubranche.
Die GBH pocht deshalb auf den Erhalt der sogenannten BUAK-Hitzefrei-Regelung. Diese ermöglicht Beschäftigten am Bau ab 32,5 Grad Celsius im Schatten Hitzefrei. Arbeitnehmer erhalten dabei rund 60 Prozent ihres Normalarbeitslohns weiterbezahlt. Die Kosten werden über die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) abgewickelt.
Das bringt die Hitzeschutzverordnung:
Seit Jahresbeginn gilt die Hitzeschutzverordnung, die ab diesem Sommer erstmals praktisch wirksam wird. Arbeitgeber müssen für Arbeiten im Freien einen Hitzeschutzplan bereitstellen und bei einer Hitzewarnung der GeoSphere Austria ab Stufe zwei („Vorsicht, gelb“, 30-34 Grad Celsius) die darin festgelegten Maßnahmen verpflichtend umsetzen. Für die Kontrolle sei die Arbeitsinspektion zuständig, es gebe aber auch noch eine Beratungsphase, erläuterte Schumann.
Muchitsch betont jedoch, dass Hitzefrei in der Praxis noch viel zu selten angewendet werde. "2024 wurde nur rund jedem fünften Bauarbeiter Hitzefrei gewährt – trotz gefährlicher Bedingungen", kritisiert der Gewerkschafter. Die GBH fordert daher verbindliche gesetzliche Vorgaben statt freiwilliger Lösungen.
Unterstützung bietet dabei auch die GBH-Hitze.APP. Mit ihr können Beschäftigte und Betriebe per Postleitzahl die aktuelle BUAK-Temperatur für ihre Baustelle abrufen und prüfen, ob Hitzefrei möglich ist. Die App steht kostenlos für iPhones und Android-Geräte zur Verfügung. Die neue Hitzeschutzverordnung verpflichtet Betriebe außerdem zu zusätzlichen Maßnahmen wie Trinkwasser, Beschattung, früheren Arbeitszeiten, Schutzkleidung oder gekühlten Kabinen.
"Hitze ist ein ernstes Gesundheitsrisiko. Niemand darf wegen seiner Arbeit krank werden", so Muchitsch. Die GBH will deshalb auch heuer wieder österreichweit auf Baustellen informieren – mit Wasser, Sonnencreme und Aufklärung über die Rechte der Beschäftigten bei großer Hitze.