Speicherstand bei 45 Prozent

Hoher Gasverbrauch – FPÖ sieht Versorgung in Gefahr

Die FPÖ sieht die Österreicher schon in einem sibirischen Schneesturm frieren. Doch das Gas wird nicht knapp, es reicht noch bis in den Sommer.
Newsdesk Heute
04.02.2026, 15:04
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Die Gaspreise auf den großen Handelsplattformen sind ab Mitte Jänner regelrecht nach oben geschossen. Auf dem Central European Gas Hub (CEGH) kostete eine Megawattstunde (MWh) Gas zuletzt bis zu 43,62 Euro, um Weihnachten herum waren es rund 31 Euro/MWh.

"Dass die Preise im Winter nach oben gehen, ist nicht ungewöhnlich. Eine größere Nachfrage wirkt preistreibend, wenn nicht gleichzeitig mehr Angebot da ist", erklärt Carola Millgramm, Leiterin der Abteilung Gas in der Regulierungsbehörde E-Control, gegenüber dem "Standard". Ausschlaggebend sind die Temperaturen: "Anders als im zurückliegenden Winter ist es heuer kalt, und das schon seit geraumer Zeit. Das schlägt sich in den Preisen nieder."

Der Jänner 2026 war in der Klimabilanz ein deutlicher Ausreißer nach unten. Er war so kalt, wie es statistisch zwischen 1961 und 1990 noch normal war. Dank der seit Jahrzehnten fortschreitenden Erderwärmung sind wir solche eisigen Temperaturen allerdings nicht mehr gewohnt.

Die Folge: Unzählige Haushalte befeuern ihre Heizungen im Dauerbetrieb und auch die Gaskraftwerke laufen schon seit Wochen auf Hochtouren. Laut Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG), die für die Starkstromleitungen im Land verantwortlich ist, sind etwa 4.000 Megawatt (MW) an thermischer Kapazität aus Gaskraftwerken im Netz. Das leert die Speicher rasant.

Polit-Panik unbegründet

"Der Winter ist noch lang, die Gasspeicher sind es nicht. Nur 40 Prozent Füllstand – mindestens 10 Wochen Kälte stehen noch bevor", schlug FPÖ-Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch am vergangenen Dienstag auf Facebook Alarm. Ein (mutmaßlich) KI-generierter Schneesturm inklusive.

Dabei insinuiert Kickls rechte Hand, dass die Versorgung der österreichischen Bevölkerung in Gefahr sei – und nur ein Ende der angeblich ruinösen Russland-Sanktionen könne diese abwenden.

Dagmar Belakowitsch insinuiert, dass die Gas-Versorgung der Bevölkerung gefährdet wäre. Ist sie nicht.
Screenshot Facebook

Panik ist unbegründet, denn es gibt keine Mangellage und es ist in Österreich auch keine in Sicht. Auch ohne Russen-Gas.

Mit Februar-Beginn waren die heimischen Gasspeicher noch zu 45,07 Prozent gefüllt. Das sind 45,4 Terawattstunden (TWh) Gas, oder anders: 45 Millionen (!) Megawattstunden.

Davon stehen zwei Drittel – etwa 30 TWh – den österreichischen Haushalten, Stromerzeugern und Industriebetrieben zur Verfügung. Das alleine reicht laut den langjährigen Verbrauchsdaten der E-Control noch bis in den Sommer, ohne jede neue Einspeisung.

Die Speicherbilanz Österreichs seit Jänner 2020.
E-Control

Preise sinken wieder

Neben den frostigen Temperaturen sorgt auch noch ein weiterer Faktor dafür, dass die Speicherstände heuer deutlich niedriger sind als vor einem Jahr (ca. 63%): Profit.

"Die aktuell hohen Preise haben Großhändler veranlasst, mehr Gas aus den Speichern zu verkaufen, das sie im Sommer zu günstigeren Konditionen eingespeichert haben", hält Millgramm fest. Seit dem Wochenende sinken die Preise wieder leicht, die Gas-Expertin rechnet damit, dass sich dieser Trend generell fortsetzen wird.

Die aktuelle Situation sei "kein Grund zur Sorge", konstatiert auch E-Control-Vorstand Alfons Haber zur "Presse": "Aktuell ist es angesichts der höheren Preise eben günstiger, Gas aus Speichern zu beziehen, als einzukaufen."

Was Belakowitsch und die FPÖ in ihren Facebook-Postings nicht sagen: Kreml-Kriegstreiber Wladimir Putin hatte bereits im Herbst vor seiner Ukraine-Invasion die Gasversorgung in Österreich und vor allem Deutschland unter Druck gesetzt.

Die russische Gazprom hatte ihre damals riesigen Speicher (32,3 TWh Kapazität) hierzulande – Stichwort: Haidach – einfach nicht mehr aufgefüllt, wir mussten mit etwas mehr als halbem Füllstand in die Heizperiode starten. Unsere Alpenrepublik überstand auch diesen Winter – und alle folgenden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 04.02.2026, 16:30, 04.02.2026, 15:04
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