Im Rahmen der "Operation SHIELD VI" gingen Ermittler in 30 Staaten gegen den Handel mit verbotenen Arzneimitteln und Dopingmitteln vor. Dabei wurden 3.354 Verdächtige identifiziert und Waren im Millionenwert sichergestellt – auch in Österreich.
Unter der Koordination von Europol beteiligten sich zahlreiche internationale Behörden an der Aktion. In Wien gelang es den heimischen Ermittlern, ein Untergrundlabor auszuheben. Dort wurden unter nicht sterilen Bedingungen anabole Steroide und sogenannte SARMs hergestellt und für den Verkauf vorbereitet.
Wie das Bundeskriminalamt (BK) am Mittwoch mitteilte, arbeiteten in dem Labor Laien, die Arzneimittel abfüllten, verkapselten, etikettierten und für den europaweiten Versand vorbereiteten. Die Produkte wurden von Österreich aus nach Deutschland, Tschechien, Italien, Spanien, in die Schweiz sowie in weitere Länder verschickt.
Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Ermittler verbotene Substanzen in Kanistern und Säcken sicher. Zudem wurden große Mengen an Produktions- und Verpackungsmaterial beschlagnahmt – darunter Millionen leerer Kapseln, Streckmittel, Pipetten, Etikettenrollen samt Drucker sowie Kapselfüllmaschinen.
Die Rohstoffe und Verpackungsmaterialien waren zuvor aus Großbritannien nach Österreich geliefert worden. Laut vorläufiger Auswertung der elektronischen Beweismittel wurden bereits 3.602 Flaschen verbotener SARMs versandt, darunter MK-677 (Ibutamoren), MK-2866 (Ostarine), RAD-140 (Testolone) und Dianabol.
Diese Substanzen sind laut Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) der Kategorie S1 (anabole Stoffe) zugeordnet und sowohl im als auch außerhalb des Wettkampfs verboten. Die gesetzliche Grenzmenge nach der Anti-Doping-Grenzmengenverordnung sei um das 100.000-Fache überschritten worden.
Der mögliche Umsatz lag knapp unter einer Million Euro. Die Beschuldigten wurden bei der Staatsanwaltschaft Wien angezeigt. Im Zuge der Operation stellten die Behörden europaweit Produkte im Wert von rund 33 Millionen Euro sicher.
Im Fokus standen gefälschte und verfälschte Arzneimittel, illegale Lebens- und Sportnahrungsergänzungsmittel, gefälschte Hygieneartikel und Medizinprodukte sowie anabole Steroide und andere leistungssteigernde Substanzen.
Das Bundeskriminalamt warnte erneut vor den Gefahren gefälschter Medikamente. "Arzneimittelkriminalität gefährdet die öffentliche Gesundheit, unterwandert legale Lieferketten und finanziert organisierte Kriminalität", so das Bundeskriminalamt. "Soziale Medien, Online-Marktplätze und das Dark Web spielen dabei eine zentrale Rolle."
Besonders besorgniserregend seien Fälschungen auf Semaglutid-Basis, die als Schlankheitsmittel angeboten werden, sowie Präparate mit hochpotenten synthetischen Substanzen wie Nitazenen, die legitimen Opioiden ähneln. Der Konsum solcher Produkte könne schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.