Die deutsche Automobilindustrie ist in der Krise. Am Donnerstag diskutiert der Aufsichtsrat von Volkswagen über weitere Sparpläne: Medialen Berichten zufolge plant der Autobauer, 100.000 Stellen von den weltweit 650.000 zu streichen. Es droht der größte Spar-Kahlschlag in der Konzerngeschichte.
Auch für Österreich könnten die Einschnitte Folgen haben: Heimische Zulieferer arbeiten eng mit dem deutschen Autokonzern zusammen – "Heute" berichtete.
Die Präsidentin des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) sieht weniger die Industrie selbst als vielmehr den Produktionsstandort Europa unter Druck "Europa ist nicht mehr wettbewerbsfähig", sagte sie im Ö1-Morgenjournal am Donnerstag.
Die Automobilindustrie stehe gleichzeitig vor mehreren Herausforderungen: der Transformation zur Elektromobilität, geopolitischen Unsicherheiten sowie hohen Energiekosten, Steuern und bürokratischen Hürden. Gerade bei diesen Standortfaktoren fehle es bislang an politischen Entscheidungen.
Die künftigen Arbeitsplätze müssten in den Regionen Europas entstehen, insbesondere im Bereich der Elektromobilität. Dafür brauche es jedoch wettbewerbsfähige Standortbedingungen sowie eine Innovationsoffensive. Derzeit würden die regulatorischen Rahmenbedingungen Investitionen jedoch erschweren.
Auf die Frage, ob Deutschland als Produktionsstandort zu teuer sei, verwies Müller auf den innereuropäischen Wettbewerb. Europa müsse sich im globalen Wettbewerb – etwa gegenüber China – geschlossen aufstellen, anstatt die Konkurrenz innerhalb Europas zu verschärfen. Ein starkes Europa sei entscheidend, um international bestehen zu können.
Einen Niedergang der Automobilindustrie sieht Müller nicht. Die Branche werde auch künftig erfolgreich sein. Entscheidend sei allerdings, wo künftig produziert werde. Ziel sei es, die Produktion in Deutschland zu halten. Dafür brauche es international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.
Die Umstellung auf die Elektromobilität werde jedoch unweigerlich Arbeitsplätze kosten, weil Elektroautos deutlich weniger Komponenten benötigen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Es werde nicht möglich sein, alle Beschäftigten zu halten.
Ziel sei es jedoch, die Folgen des Strukturwandels möglichst gering zu halten. Nach Berechnungen des VDA könnten zwischen 2019 und 2035 rund 190.000 Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie wegfallen. Diese Zahl dürfte nach Einschätzung Müllers weiter steigen.