Zahlreiche Anhänger des Islamischen Staates (IS) wurden in kurdischen Gefängnissen in Nordsyrien festgehalten. Die syrischen Regierungstruppen machten den kurdischen Kämpfern hier jedoch einen Strich durch die Rechnung und eroberten die Gebiete und Haftanstalten Schritt für Schritt zurück. In dem Lager al-Hol kam es daher wohl zum Ausbruch von Hunderten Gefangenen.
Anderorts war man schneller. Mithilfe des US-Militärs wurden etwa 6000 gefangene IS-Anhänger von Syrien in den Irak überstellt. Wie die "Presse" berichtet, tauchte nun ein brisantes Dokument auf, welches auf eine Spur nach Österreich hinweist.
Laut dem Bericht wurde das Papier über irakische Medien an die Öffentlichkeit geraten. Auf dem Blatt soll sich der Briefkopf der Gefängnisverwaltung des irakischen Justizministeriums sowie eine Auflistung der Herkunftsländer der überstellten IS-Anhänger befinden. Namen der Häftlinge werden dabei jedoch nicht genannt.
Besonders brisant: Zwei der 5704 Gefangenen aus 66 verschiedenen Ländern sollen aus Österreich kommen. Auch 27 Deutsche befinden sich auf dieser Liste. Den größten Anteil stellt jedoch Syrien mit 3544 Häftlingen.
Nach dem Leak und der damit verbundenen Aufregung dementierte das irakische Justizministerium allerdings die Echtheit des Dokuments. Es habe sich dabei nicht um ein offizielles Papier des Ministeriums gehandelt. Die Identitäten der Gefangenen wären demnach noch nicht vollständig ermittelt worden.
Auch das österreichische Außenministerium konnte in der Causa offenbar kein Licht ins Dunkle bringen. Auf Nachfrage der "Presse" hieß es, dass es keine gesicherten Informationen darüber gebe, ob auch IS-Kämpfer aus Österreich in den Irak verlegt worden sind.
Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger hingegen betonte gegenüber der Zeitung, dass er mindestens von zwei männlichen österreichischen IS-Kämpfern wüsste, die in Nordsyrien inhaftiert waren. Er selbst ist mehrfach in das Gebiet gereist und steht in Kontakt mit den Behörden vor Ort.
Alleine aus Österreich sollen sich über die vergangenen Jahre hinweg rund 300 Personen nach Syrien oder Irak abgesetzt haben, um sich den Terrororganisationen vor Ort anzuschließen. Darunter sowohl Menschen mit als auch ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Viele davon starben.