Österreich erlebt die nächste Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 40 Grad. Viele fragen sich: Wird die Hitze mit der Zeit erträglicher oder leidet der Körper jeden Tag aufs Neue? Die Antwort lautet: Ja, der Mensch kann sich an Hitze anpassen – allerdings nur bis zu einem gewissen Grad.
"Akklimatisation, Akklimatisierung – das gibt es", sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien. Wer über längere Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt ist, bemerkt das sogar dann, wenn die Hitze wieder nachlässt. "Wenn die Temperaturen zurückgehen und man an sehr hohe Temperaturen gewöhnt ist, sagt man plötzlich: 'Puh, es ist kühl' – obwohl es 25 Grad hat."
Dahinter steckt ein physiologischer Anpassungsprozess. Der Organismus reagiert auf die anhaltende Hitze, indem er effizienter arbeitet. "Der Organismus beginnt schneller zu schwitzen und auch die Blutzusammensetzung ändert sich", erklärt Hutter. Dadurch kann der Körper Wärme besser abgeben und den Kreislauf entlasten.
Allerdings passiert diese Anpassung nicht von heute auf morgen. Wie schnell sich der Körper an Hitze gewöhnt, hängt vom Menschen selbst ab. Wer sein Herz-Kreislauf-System regelmäßig fordert, ist im Vorteil. "Im Durchschnitt dauert es mindestens eine Woche", sagt Hutter. Bei Menschen, die regelmäßig Sport treiben oder in die Sauna gehen, könne die Anpassung schneller erfolgen. Andere brauchen bis zu zwei Wochen.
„Im Durchschnitt dauert es mindestens eine Woche.“
Doch gerade die zuletzt wechselhaften Frühjahre erschweren laut dem Umweltmediziner den Prozess. "Nachdem es im Frühling immer eher kühl ist und es dann auf einmal schnell heiß wird, ist die Akklimatisierung durchs Hin und Her gestört."
Die vergangenen Wochen mit immer wieder Temperaturen über 30 Grad haben dennoch Spuren hinterlassen. Eine gewisse Anpassung sei bereits erfolgt. "Eine gewisse Akklimatisierung findet statt", sagt Hutter.
Wer diese Zeit also nicht in einem deutlich kühleren Klima verbracht hat, sei heute besser auf die aktuelle Hitzewelle vorbereitet als noch zu Beginn des Sommers. Schließlich mache es einen Unterschied, ob die Temperaturen von 30 auf 40 Grad steigen oder von winterlichen 10 Grad direkt in eine Hitzewelle springen.
Ganz schutzlos ist man der Hitze nicht ausgeliefert. Wer seinen Kreislauf regelmäßig trainiert, erleichtert dem Körper die Anpassung. "Regelmäßig bewegen – und ich bin ein Fan von Kalt-Warm-Duschen", empfiehlt Hutter. Auch Saunagänge können helfen. "Der Körper lernt, mit Wärme umzugehen. Das Herz-Kreislauf-System wird beweglicher. Es ist einfach ein Training."
Eine vollständige Gewöhnung an Extremtemperaturen gibt es allerdings nicht. Auch ein akklimatisierter Körper gerät bei Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke an seine Grenzen. Umso wichtiger bleiben ausreichend Flüssigkeit, Schatten und körperliche Schonung während der heißesten Stunden des Tages.