Die Temperaturen sinken auch nachts kaum noch unter 20 Grad, die Bettdecke wird zur Belastung und selbst mit offenem Fenster will sich einfach kein erholsamer Schlaf einstellen. Viele greifen in solchen Nächten zu einem einfachen Trick: Sie lassen den Pyjama im Schrank. Doch bringt das tatsächlich besseren Schlaf – oder ist das nur ein Sommer-Mythos?
Rund 15 Prozent der Erwachsenen schlafen regelmäßig ohne Kleidung. Gerade während heißer Sommernächte entscheiden sich viele spontan dafür, weil sie sich davon mehr Abkühlung versprechen.
Schlafforscher Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin erklärt im "Öko-Test"-Interview jedoch, dass Nacktschlafen allein keinen besseren Schlaf garantiert. Viel wichtiger sei das persönliche Wohlbefinden. Wer sich ohne Kleidung entspannen kann und sich angenehm kühl fühlt, hat gute Voraussetzungen für eine ruhige Nacht. Wer sich dagegen unwohl fühlt oder friert, schläft meist schlechter – unabhängig davon, was er trägt.
Ein Vorteil des Nacktschlafens betrifft tatsächlich den Körpergeruch. Schweiß selbst ist nämlich geruchslos. Erst wenn er längere Zeit in Kleidung bleibt, vermehren sich Bakterien, die Eiweiße und Hautfette zersetzen – dabei entstehen die typischen Gerüche.
Ohne Pyjama kann der Schweiß leichter verdunsten und staut sich weniger auf der Haut. Gerade in Hitzenächten empfinden viele das als deutlich angenehmer. Allerdings schwitzt ein Erwachsener während der Nacht trotzdem bis zu drei Viertel Liter Flüssigkeit aus – und die landet dann direkt in der Bettwäsche.
Nicht jeder möchte komplett unbekleidet schlafen – und das ist auch gar nicht notwendig. Entscheidend ist vielmehr die Wahl der richtigen Nachtwäsche. Hautärzte empfehlen lockere Schlafkleidung aus atmungsaktiven Naturmaterialien wie Baumwolle oder Seide. Enge Unterwäsche aus synthetischen Stoffen kann Wärme und Feuchtigkeit stauen. Dadurch steigt unter anderem das Risiko für Hautreizungen oder Pilzinfektionen. Bei Männern kann dauerhaft sehr enge Unterwäsche außerdem die Spermienproduktion beeinträchtigen, da diese kühlere Temperaturen bevorzugt.
Ganz ohne Kleidung landet der nächtliche Schweiß direkt auf Laken und Matratze. Deshalb raten Dermatologen dazu, Bettwäsche häufiger zu wechseln – idealerweise etwa einmal pro Woche. Das verbessert nicht nur die Hygiene, sondern verhindert auch unangenehme Gerüche.
Menschen mit Hausstaubmilbenallergie profitieren zusätzlich von speziellen Matratzenbezügen. Wer unter Neurodermitis leidet oder offene Hautstellen hat, sollte dagegen lieber leichte Schlafkleidung tragen, um die empfindliche Haut zu schützen.