Ab 10.000 Dollar

Keine Idee? Diese Frau findet den Namen für dein Baby

Die Amerikanerin Taylor A. Humphrey ist professionelle Baby Name Consultant. Sie berät werdende Eltern und sucht den perfekten Namen für ihr Kind.
Heute Life
04.10.2025, 14:00
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Wer gerade ein Baby erwartet, steht wahrscheinlich vor der ersten schwierigen Entscheidung: Wie soll er oder sie heißen? Keine unwichtige Frage, denn der Name ist nicht nur ein individuelles Erkennungsmerkmal einer Person, sondern auch ein soziales Merkmal und hat sogar Einfluss auf Bildungschancen: Lehrer haben bei gewissen Namen Vorurteile und Vorannahmen positiver wie negativer Natur. Ganz zu schweigen vom späteren beruflichen Erfolg.
Nicht zuletzt hat die Namenswahl des Sprösslings auch Konfliktpotenzial, weil man von links und rechts viele "gutgemeinte" Vorschläge zu hören bekommt. Um dem zu entgehen, verraten manche Eltern den Namen des Kindes erst nach der Geburt.

Der Begriff des Kevinismus – auch Chantalismus – beschreibt das psychologische Phänomen, dass Eltern bildungsferner Schichten ihren Kindern eher exotische oder anglo-amerikanische Namen geben. Die Vergabe anglo-amerikanischer Namen ist dabei ein Unterschichtsphänomen, der sich aus den Faktoren Wohlstand und kulturelle Nähe begründet, denn die Namensvergabe hat auch immer etwas mit Wertschätzung zu tun. Namen aus Ländern, die in Wohlstand leben und aus einem historisch-kulturell nahen Bereich kommen, gefallen den Menschen. Viele Namen werden daher aus Film und Fernsehen, aus der Unterhaltung genommen, wobei dieses Phänomen bis ins Spätmittelalter zurückgeht, wo man sich aus Balladen bedient hat. Die Oberschicht hingegen will ihre Kinder elitärer sehen, zeigt ein gewisses Abgrenzungsbedürfnis, ist traditionsbewusster und greift deshalb mehr auf lokal typische Namen zurück. Wie Namen wahrgenommen werden, hat unter Umständen auch Einfluss auf das Schicksal von Menschen und kann eine Richtung für deren Leben vorgeben.

Baby Name Consultant

Den richtigen Namen für den Nachwuchs auszuwählen, ist also nicht unwichtig. Wer sich aus der horrenden Auswahl an Mädchen- und Bubennamen nicht heraussieht oder auf der Suche nach etwas Kreativerem als der Durchschnitt ist, kann tatsächlich jemanden dafür bezahlen, den richtigen Namen fürs Baby zu finden – zumindest in den USA.

In San Francisco lebt dort Taylor A. Humphrey. Sie begann vor etwa einem Jahrzehnt, online über ihre Obsession mit Babynamen zu posten – und mittlerweile ist daraus ein richtiges Luxusunternehmen geworden. Wohlhabende werdende Eltern geben Zehntausende von Dollar aus, um sie als Baby Name Consultant zu engagieren. Humphreys Kundenstamm reicht von prominenten Persönlichkeiten bis hin zu anonymen Reichen. Eigentlich ist Humphrey (selbst nach einer Seifenopernschauspielerin der 80er Jahre benannt) eine ausgebildete Doula mit Erfahrung im Branding und Marketing und bezeichnet sich selbst als "Namens-Nerd" mit Tausenden von Tabellen voller Babynamen.

Humphrey ist eine von etwa einem Dutzend professioneller Babynamen-Beraterinnen im ganzen Land, deren Vollzeitjob darin besteht, werdende Eltern bei der Namensfindung zu begleiten. Mittlerweile hat die 37-Jährige insgesamt 100.000 Follower auf TikTok und Instagram sowie ein wachsendes Portfolio von über 500 Kindernamen, bei deren Auswahl sie mitgewirkt hat. Die Kosten für die Dienste betragen mittlerweile bis zu 30.000 US-Dollar, berichtete die SF Chronicle.

Preise und Leistungen

Humphreys Dienste kosten unterschiedlich viel – je nachdem, wie umfassend die Beratung sein soll. Bei der Betreuung ihrer Klienten verwendet sie Namensfragebögen, um die Persönlichkeit, Interessen und Vorlieben bzw. Abneigungen der Eltern in Bezug auf Namen besser zu verstehen.
Wer eine einfache E-Mail mit einigen personalisierten Namensempfehlungen möchte – einschließlich der Bedeutung, Herkunft, Schreibvarianten, Beliebtheitsgeschichte und "Vibes" jedes Namens – muss mindestens 200 US-Dollar berappen. Die umfassenderen Dienstleistungen beginnen jedoch bei 10.000 US-Dollar, was den Eltern eine "VIP-Behandlung" verschafft. Das berüchtigte 30.000-Dollar-Paket kann mehrere Monate dauern, beinhaltet die Unterstützung durch professionelle Genealogen und Markenmanager und erfordert häufige Videokonsultationen mit Humphrey.

Zu ihren Zusatzleistungen gehören beispielsweise die "Finden einer einzigartigen Namensästhetik", das "Branding von Babynamen", die Beauftragung eines Genealogen mit der Erstellung einer Namensliste aus alten Teilen des Stammbaums oder sogar die Beauftragung einer Denkfabrik, um Optionen zu diskutieren.

Die Beraterin half im Jahr 2020 bei der Namensgebung von über 100 Babys und strich dabei mehr als 150.000 Dollar von zahlungskräftigen Paaren ein – damals verlangte sie für diese Dienstleistung nur 1.500 Dollar. Nachdem der "New Yorker" 2022 ein Portrait über sie veröffentlicht, explodierte ihr Social-Media-Profil. So konnte sie zahlreiche Kunden gewinnen und ihre Preise erhöhen – trotz des Spotts im Internet.

Spezielle Wünsche

Die Wünsche ihrer Kunden sind im Laufe der Jahre immer spezifischer geworden. Werdende Eltern wünschen sich Namen, die ungewöhnlich, aber nicht seltsam, einfach, aber nicht banal und trendy, aber nicht zu trendy sind.
Da war ein alleinstehender, schwuler Mann, der durch eine Leihmutterschaft ein Kind erwartete und Hilfe bei der Namensfindung brauchte. Ein älteres Paar, das für seinen vierten Sohn keinen passenden Namen fand. Eine multikulturelle Familie suchte nach einem Namen, der ihre unterschiedlichen ethnischen Hintergründe vereinte.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 04.10.2025, 14:04, 04.10.2025, 14:00
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