Herbstzeit ist Igelzeit, denn ab September sind die kleinen Stacheligen ganz besonders emsig unterwegs. Gut so, denn immerhin müssen sie jede Nacht ordentlich fressen, fressen und noch mehr fressen, damit sie auch im Winterschlaf bis zum nächsten Frühjahr von genug Fettreserven zehren können.
Obwohl in Österreich der Braunbrust- als auch der Weißbrustigel gesetzlich geschützt sind, gehen ihre Bestände stark zurück. Besonders alarmierend: Die Zahl der Westeuropäischen Igel ist in den letzten zehn Jahren um etwa 50 Prozent gesunken.
Leider passiert es durch das chaotische Wetter immer häufiger, dass auch Igel zur früh oder zu spät dran sind und vor allem Jungtiere aus Würfen des späteren Sommers in Zugzwang kommen können. Eine Faustregel besagt, dass ein junger Igel im November mindestens 500 Gramm auf die Waage bringen muss, um wieder gesund und munter im Frühling zu erwachen.
Das erste Warnsignal ist immer die Zeit, denn ein Igel der untertags über deine Wiese huscht, hat zu 99 Prozent ein Problem. Hier gilt aber auch zunächst einmal Ruhe bewahren und gut beobachten.
„Für uns Menschen ist das ein wichtiges Anzeichen. Besonders gefährdet sind Jungigel, die im Herbst weniger als 500 Gramm wiegen. Sie sind noch zu schwach und laufen Gefahr, den Winter nicht zu überleben“Alfred KoflerTierexperte Assisi-Hof, Österreichischer Tierschutzverein
Ein gesunder Igel ist rundlich, kräftig und in der Regel nur nachts aktiv, wer sich also unsicher ist, ob das Tierchen Hilfe braucht, kann sich natürlich jederzeit beim Österreichischen Tierschutzverein und regionalen Wildtier- oder Igelstationen kostenlos beraten lassen, oder den Igel in fachgerechte Betreuung bringen.
Erste Alarmzeichen:
• Magerkeit und eingefallene Flanken
• Sichtbare Verletzungen oder Wunden
• Apathie, Torkeln, fehlendes Einrollen zum Schutz
• Besonders viele Parasiten (Flöhe, Zecken oder Milben)
Wer sich sicher ist, dass im eigenen Garten auch der Igel haust, kann dem Kerlchen natürlich mit Hausmannskost wie Mehlwürmern, Heuschrecken, Soldatenfliegenlarven oder sehr hochwertigem Feuchtfutter für Katzen helfen, auf sein benötigtes Wintergewicht zu kommen.
Getreide, Obst und Zucker sind hier allerdings ganz falsch und auch mit Milch tut man dem Igel nichts Gutes. Igel leiden nämlich ALLE unter Laktoseintoleranz und Milchprodukte können zu schweren Durchfällen führen. Unbedenklich und sogar wichtig ist hingegen frisches Wasser, das jederzeit zugänglich in einer flachen Schale angeboten werden sollte und regelmäßig ausgetauscht werden muss.
„Spezielles Igelfutter aus dem Handel enthält leider oft Getreide, Obst oder Zucker, die dem Igel Probleme bereiten können“
"Parasiten sollten niemals in Eigenregie behandelt werden", warnt Experte Kofler und erklärt weiter "Medikamente, die für Hunde und Katzen gedacht sind, sind für Igel oft giftig. Dazu zählen Flohsprays, Spot-On-Präparate oder Wirkstoffe wie Ivermectin. Schon geringe Mengen können schwere Vergiftungen verursachen und im schlimmsten Fall tödlich wirken." Die medizinische Behandlung also immer nur einem Fachpersonal überlassen und nicht selbst am Stachelbert herumdoktern.
„Zum Glück war das Plastikteil nicht wie befürchtet eingewachsen. Die Tierärztin konnte den kleinen Patienten unter Inhalationsnarkose behutsam aus seiner misslichen Lage befreien“Alfred Kofler
Ein tragischer Vorfall in Wien-Hetzendorf zeigt, wie gefährlich der Alltag für Igel sein kann, denn ein junges Tier hatte sich doch tatsächlich mit seinen Stacheln in eine Plastikeinfassung vergangen, woraus er sich unmöglich selbst befreien hätte können. Am Assisi-Hof konnte dem Wildtier in Not dann aber noch rechtzeitig geholfen werden und es sollte planmäßig im Oktober wieder in die Natur entlassen werden können.