Lungenkrebs zählt zu den heimtückischsten Krebsarten überhaupt. Die Erkrankung entwickelt sich oft über Jahre hinweg, ohne spürbare Beschwerden zu verursachen. Husten, Atemnot oder Schmerzen treten bei vielen Betroffenen erst dann auf, wenn sich der Tumor bereits ausgebreitet hat. Deshalb wird Lungenkrebs häufig erst in einem Stadium entdeckt, in dem die Behandlung deutlich schwieriger ist. Neue Ergebnisse aus Wien machen nun Hoffnung, dass sich das künftig ändern könnte.
In Österreich ist Lungenkrebs nach wie vor die häufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle. Rund 19 Prozent aller Krebstodesfälle gehen auf diese Erkrankung zurück. Besonders problematisch: Etwa drei Viertel aller Lungenkrebsfälle werden derzeit erst im mittleren oder fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Dabei gilt: Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung – und in vielen Fällen sogar auf Heilung.
Genau hier setzt das österreichweite Pilotprogramm "LEAD-DETECT" an. Seit Herbst 2025 werden Teilnehmer der Wiener Gesundheitsstudie LEAD im Alter zwischen 50 und 74 Jahren mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko gezielt zu einer sogenannten Low-Dose-Computertomographie (LDCT) eingeladen. Diese spezielle Form der Computertomographie arbeitet mit einer deutlich geringeren Strahlenbelastung und kann selbst sehr kleine Veränderungen in der Lunge sichtbar machen. Ziel des Programms ist es, Lungenkrebs zu entdecken, bevor erste Beschwerden auftreten und bevor sich der Tumor im Körper ausbreiten kann.
Die bisherigen Zahlen zeigen, welches Potenzial in der Früherkennung steckt. Von bislang 378 untersuchten Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden bei 4,7 Prozent Lungenknoten mit einem hohen Krebsrisiko entdeckt. Diese konnten rasch weiter abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.
Darüber hinaus machten die Untersuchungen weitere Erkrankungen sichtbar, die häufig mit langjährigem Rauchen zusammenhängen – darunter Lungenemphyseme oder Verkalkungen der Herzkranzgefäße. Auch diese Diagnosen ermöglichen eine frühzeitige Behandlung und können langfristig schwere Folgen verhindern.
"Gerade bei Lungenkrebs entscheidet oft der Zeitpunkt der Diagnose über die Heilungschancen", betont Studienleiterin Marie-Kathrin Breyer, Vorständin der Abteilung für Atemwegs- und Lungenkrankheiten am Standort Penzing der Klinik Ottakring und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit.
Das Ziel sei es, die Erkrankung zu erkennen, bevor sie Beschwerden verursacht oder Metastasen bildet. Die bisherigen Ergebnisse würden zeigen, dass mit einer risikobasierten Früherkennung genau jene Menschen erreicht werden können, die besonders von einer frühen Diagnose profitieren.