"Ihre Seele war beim Prozess"

Mama von Jenni steht jetzt der "schwerste Weg bevor"

Fast 8 Jahre suchte Brigitta Scharinger nach der Wahrheit über den Tod ihrer Tochter. Nach dem Mordprozess steht ihr nun ein schwerer Abschied bevor.
André Wilding
06.09.2026, 07:30
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Fast acht Jahre lang ließ Brigitta Scharinger nicht locker. Sie suchte nach ihrer vermissten Tochter Jenni, organisierte Grabungen und beschäftigte sich intensiv mit deren Ex-Freund Clemens T. Im Dezember 2025 gestand der Mann schließlich die Tat. Nun ist auch der Prozess vorbei.

Im Gerichtssaal wollte die 70-Jährige am 27. August allerdings nicht sitzen. Sie wollte den Mann, der ihre Tochter getötet hatte, weder sehen noch mit ihm in einem Raum sein. Über das Geschehen bei der Verhandlung informierte sie sich aus der Ferne.

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"Per Internet. Und es waren Vertraute von mir vor Ort, die mich mittels WhatsApp informierten", erklärt sie im Interview mit der "Kronen Zeitung". Vor den Geschworenen gestand Clemens T. die Tat mit deutlichen Worten: "Ich habe Gott gespielt. Ich habe Jenni das Leben genommen, ich habe sie erwürgt."

"Bloß ein Name in einem Akt"

Brigitta Scharinger störte, dass ihrer Ansicht nach im Prozess zu wenig über ihre Tochter gesprochen wurde. Jenni sei "ein wunderbarer Mensch" gewesen, "die so sehr gemocht" worden war. Sie habe "so große Pläne und Träume" gehabt, sagt ihre Mama in der Tageszeitung.

Ihre Tochter sei "bloß ein Name in einem Akt" gewesen, "während sich der Täter dabei regelrecht inszenieren und wegen seiner psychischen Störung bedauern durfte", wird die Mutter von Jenni in der "Krone" zitiert.

Scharinger ist in der "Kronen Zeitung" überzeugt: "Ich weiß, ihre Seele war im Gerichtssaal." Clemens T. wurde zu lebenslanger Haft und zur Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum auf unbestimmte Zeit verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Ich hege keinen Hass gegen ihn. Ich wünsche mir nur, dass er nie mehr einem Mädchen Böses antun kann", stellt sie im Gespräch mit der "Krone" klar.

Fast acht Jahre nach Jenni gesucht

Seit Jenni im Jänner 2018 verschwand, beschäftigte sich ihre Mutter intensiv mit dem Fall. "Mir war früh klar, dass er ihre Leiche in der Natur versteckt haben musste", sagt sie in der Tageszeitung.

Scharinger organisierte zahlreiche Suchaktionen und Grabungen in Wäldern. Dabei erhielt sie Unterstützung von freiwilligen Helfern. "Ich bin den Menschen, die mich ernsthaft – die meisten von ihnen unentgeltlich – bei der Suche nach der Wahrheit unterstützt haben, sehr dankbar."

Die jahrelange Suche kostete sie auch finanziell viel. Auf die Frage, wie viel sie für Baggerarbeiten und Spürhunde ausgegeben habe, antwortet sie in der "Krone": "Es waren meine ganzen Ersparnisse."

Nach ihren Angaben habe zudem ein Mann ihre Situation ausgenutzt. Er soll behauptet haben, wichtige Informationen zur Aufklärung beschaffen zu können, und dafür Geld verlangt haben.

Chat brachte neue Bewegung in den Fall

Im Februar 2025 nahm ein Bekannter aus ihrer freiwilligen Helfergruppe über eine Dating-Plattform Kontakt mit Clemens T. auf. Dabei gab er sich als Frau aus. Im Verlauf des Chats berichtete der spätere Angeklagte über seine Gedanken.

Im März übergab Scharinger die Chatprotokolle der Kripo. "Aber erst Anfang Dezember wurde Clemens T. dazu vernommen", sagt Brigitta Scharinger in der "Kronen Zeitung".

Wenige Tage später wurde der Mann nach einem Vorfall mit seiner damaligen Freundin aus seinem Haus weggewiesen. Am 8. Dezember ging er schließlich selbst zu einer Polizeistation und gestand den Mord an Jenni.

Für ihre Mutter war das ein einschneidender Moment. "Eine Last fiel von mir ab. Noch mehr, nachdem er die Ermittler zu der Stelle geführt hatte, an der er die Leiche meiner Tochter weggeworfen hatte. Ja, er hatte sie – einfach weggeworfen, sie nicht einmal vergraben", sagt sie in der "Krone".

Urne soll in den Garten der Mutter

Nun steht die Verabschiedung von Jenni bevor. "Wir lassen dich aus Liebe los, damit deine Seele Frieden finden kann", steht auf ihrem Partezettel.

In knapp zwei Wochen soll eine kirchliche Messe stattfinden. Danach möchte Scharinger die Urne ihrer Tochter bei sich haben. "Die Urne mit ihrer Asche wird unter einem großen Kreuz in meinem Garten stehen – damit kehrt meine Tochter nach Hause zurück", erklärt Jennis Mama in der "Krone".

Für die Mutter war ihre Tochter während der jahrelangen Suche dennoch immer bei ihr. "Sie war auch bei mir, bei meiner fast acht Jahre andauernden Suche nach ihr. Sie gab mir die Kraft, nie aufzugeben", stellt sie im Gespräch mit der Tageszeitung klar.

Nach dem Geständnis mischten sich unterschiedliche Gefühle. "Spürte ich Erleichterung – und gleichzeitig eine tiefe Verzweiflung. Weil plötzlich alles so endgültig war", sagt sie zur "Krone".

"Ich zog mich von der Außenwelt zurück"

In den Monaten vor dem Prozess zog sich Brigitta Scharinger zunehmend zurück. "Ich schaffte es in dieser Zeit endlich, mich fallen zu lassen. Wirklich zu trauern. Ich zog mich sehr von der Außenwelt zurück, fuhr mehrmals zu den zwei Ablageorten von Jennis Leiche, stellte dort selbst gebastelte Kreuze auf, legte Kränze nieder, pflanzte Blumen an. Betete, weinte", erklärt sie in der "Kronen Zeitung".

Jetzt wartet auf Brigitta Scharinger jener Moment, vor dem sie sich besonders fürchtet. In der "Krone" sagt sie: "Jetzt steht mir der schwerste Weg bevor. Ich werde Jennis sterbliche Überreste aus der Gerichtsmedizin abholen – und dann heimbringen. In das Dorf, in dem sie aufgewachsen ist. Wo sie einmal ein wunderschönes Leben hatte ..."

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