Lange wurde innerhalb der deutschen Union über die Nachfolge im Bundespräsidentenamt diskutiert. Nun zeichnet sich offenbar eine Entscheidung ab: Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner soll für CDU/CSU ins Rennen gehen.
Wie die "Bild" aus Unionskreisen erfahren haben will, ist Aigner inzwischen die einzige verbliebene Kandidatin. Bundeskanzler Friedrich Merz soll ihren Namen bereits am Sonntag bei einem Treffen mit den CDU-Fraktionsvorsitzenden der deutschen Bundesländer im Kanzleramt nennen.
Offiziell bestätigt ist die Entscheidung damit noch nicht. Sollte Aigner gewählt werden, wäre sie die erste Bundespräsidentin Deutschlands.
Dass ausgerechnet Aigner nun vor einer Nominierung steht, ist bemerkenswert. Denn Merz soll sich über Monate gegen ihre Kandidatur gesträubt haben. Den Stein ins Rollen brachte Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder. Bereits Ende April sprach er sich öffentlich für seine Parteikollegin aus.
"Die Union wird nach dem Sommer einen Vorschlag machen. Wenn Ilse Aigner möchte, hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung", erklärte Söder damals. Für Merz kam der Vorstoß offenbar überraschend. Der Kanzler befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Dienstreise in Zypern und war laut dem Bericht zuvor nicht über Söders Pläne informiert worden.
Auch danach wollte sich Merz die Entscheidung offenbar nicht von Söder vorgeben lassen. Schließlich beansprucht die größere Unionspartei CDU traditionell das Vorschlagsrecht.
Doch beim CSU-Parteitag im Oktober erhielt Aigner großen Zuspruch. Die Delegierten feierten sie mit stehenden Ovationen und Ilse-Rufen. Damit nahm die Debatte weiter Fahrt auf. Während Merz auf einer Asienreise weiterhin Vorbehalte gehabt haben soll, wuchs innerhalb der CDU die Unterstützung für Aigner.
Für eine erfolgreiche Kandidatur reicht die Unterstützung von CDU und CSU allein nicht aus. In der Bundesversammlung ist die Union auf Stimmen aus anderen Parteien angewiesen.
Dabei könnte Aigner zugutekommen, dass sie auch bei der SPD auf Zustimmung stößt. So hatte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch bereits nach dem CSU-Parteitag öffentlich positive Signale gesendet.
Aigner gilt als konservativ, zugleich aber als pragmatische Politikerin, die auch außerhalb der eigenen Partei Anerkennung genießt.
Die nächsten Termine könnten nun Klarheit bringen. Am Sonntag soll Merz die CDU-Fraktionsvorsitzenden im Kanzleramt über die Kandidatur informieren.
Am Montagvormittag kommt zudem das CDU-Präsidium zusammen. Am Abend treffen Merz, Söder und Aigner bei einem Festakt zum 20. Jahrestag der Eröffnung der Ohel-Jakob-Synagoge in München aufeinander.
Bis dahin könnte die Entscheidung über die Unionskandidatur bereits feststehen. Ob Aigner tatsächlich Deutschlands erste Bundespräsidentin wird, entscheidet sich allerdings erst bei der Wahl durch die Bundesversammlung.