Kanzler wackelt

Merz-Nachfolge – diese vier Kandidaten sind im Rennen

Friedrich Merz steht als Kanzler massiv unter Druck. In der Union werden bereits vier mögliche Nachfolger gehandelt.
Newsdesk Heute
15.09.2026, 16:58
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Wer könnte übernehmen, sollte Friedrich Merz tatsächlich als deutscher Kanzler abgelöst werden? In der Union werden vor allem vier Namen gehandelt: Hendrik Wüst, Markus Söder, Alexander Dobrindt und Boris Rhein. Doch jeder der möglichen Kandidaten bringt politische Stärken – und entscheidende Schwächen – mit.

Merz steht nicht einmal eineinhalb Jahre nach seiner ersten Regierungserklärung als Kanzler massiv unter Druck. Die erhoffte Aufbruchstimmung blieb aus, innerhalb von CDU/CSU wird über mögliche Szenarien für einen Kanzlerwechsel diskutiert.

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Ein entscheidendes Hindernis bleibt allerdings die Nachfolgefrage. Bislang gibt es keinen Kandidaten, hinter dem sich die Union geschlossen versammeln könnte, berichtet der "Spiegel".

Hendrik Wüst – der Mann der Mitte

Wüst gilt schon länger als möglicher Merz-Nachfolger. Der 51-Jährige führt Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland, und steht zugleich an der Spitze des größten CDU-Landesverbands.

Für Wüst sprechen seine guten Zustimmungswerte und sein politischer Kurs in der Mitte. In Nordrhein-Westfalen führt er eine Koalition mit den Grünen und kann auf Unterstützung aus westdeutschen CDU-Landesverbänden bauen.

Doch der Zeitpunkt könnte für ihn kaum ungünstiger sein. Im April kommenden Jahres wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Sollte Wüst vorher nach Berlin wechseln, müsste auch für seinen Posten als Ministerpräsident rasch ein Nachfolger gefunden werden.

Hinzu kommt seine Rivalität mit CSU-Chef Markus Söder. Eine Kanzlerschaft Wüsts wäre ohne Unterstützung der CSU nur schwer vorstellbar. Innerhalb der CDU gibt es außerdem Zweifel, ob Wüst überhaupt jetzt nach dem Kanzleramt greifen möchte. Auch seine bislang vor allem auf die Landespolitik konzentrierte Erfahrung könnte gegen ihn sprechen.

Markus Söder – der erfahrene Machtpolitiker

Söder bringt von den möglichen Kandidaten besonders viel Regierungserfahrung mit. Seit rund 19 Jahren sitzt der 59-Jährige ohne Unterbrechung in der bayerischen Landesregierung. Vor seiner Zeit als Ministerpräsident war er unter anderem Umwelt-, Gesundheits- und Finanzminister.

Eine Kanzlerkandidatur aus den Reihen der kleineren CSU hatte historisch vor allem dann Chancen, wenn die CDU selbst geschwächt war. So trat Edmund Stoiber 2002 für die Union an. Söder selbst versuchte 2021, Kanzlerkandidat zu werden, musste sich damals aber Armin Laschet geschlagen geben.

Nun könnte sich erneut eine Gelegenheit bieten. Söder kann mit Unterstützung innerhalb der Unionsfraktion rechnen und verfügt auch unter ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten über Rückhalt.

Sein größtes Problem bleibt Wüst. Ohne die mächtige NRW-CDU dürfte Söder kaum ins Kanzleramt kommen. Zudem steht er auch in Bayern und innerhalb der eigenen Partei unter Druck. Bei Landtagswahlen konnte er außerdem nicht an die früheren absoluten Mehrheiten seiner CSU-Vorgänger anknüpfen.

Alexander Dobrindt – der Kompromisskandidat

Wenn sich Wüst und Söder gegenseitig blockieren, könnte Dobrindt ins Spiel kommen. Der 56-jährige Bundesinnenminister gilt als mögliche Alternative zu den beiden Rivalen.

Dobrindt genießt Rückhalt in der gemeinsamen Bundestagsfraktion von CDU und CSU. Zudem verfügt er über gute Kontakte zur SPD und zu Vizekanzler Lars Klingbeil. In der Regierung gilt er als wichtiger Vermittler und steht für eine restriktivere Asyl- und Migrationspolitik.

Doch auch für ihn gibt es eine große Hürde: Söder. Dass der CSU-Chef einem Parteikollegen den Weg ins Kanzleramt freimacht, gilt als schwer vorstellbar. Dobrindt müsste deshalb wohl zahlreiche einflussreiche CDU-Politiker hinter sich bringen und damit faktisch zum Kandidaten der größeren Schwesterpartei werden.

Boris Rhein – der mögliche Überraschungskandidat

Als Außenseiter wird Hessens Ministerpräsident Rhein gehandelt. Der 54-Jährige könnte dann ins Spiel kommen, wenn Wüst und Söder keine gemeinsame Lösung finden. Rhein regiert Hessen gemeinsam mit der SPD. Damit könnte er grundsätzlich auch für die drei Parteien der derzeitigen Regierungskoalition vermittelbar sein.

Gegen ihn spricht vor allem seine bislang geringe bundespolitische Präsenz. Auch internationale Erfahrung bringt Rhein nur begrenzt mit. Erst im Sommer war sein Name kurzzeitig als möglicher Nachfolger von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aufgetaucht.

Von den vier genannten Politikern werden Rhein die geringsten Chancen eingeräumt. In den internen Gesprächen der Union könnte er dennoch eine wichtige Rolle spielen.

Nachfolge bleibt das große Problem

Dass sich die möglichen Merz-Erben bislang gegenseitig blockieren, könnte letztlich ausgerechnet dem angeschlagenen Kanzler helfen. Ein Wechsel wäre vor allem dann realistisch, wenn sich CDU und CSU zuvor auf einen Nachfolger verständigen.

Ob die Spitzen der großen Landesverbände bereits in den kommenden Tagen eine gemeinsame Strategie finden, ist offen. Nach der vorliegenden Einschätzung dürfte sich die SPD einem Kandidaten der Union grundsätzlich nicht verweigern.

red,15.09.2026, 16:58
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