Ein Treffen mit besonderer Symbolkraft: Europa- und Kultusministerin Claudia Bauer (ÖVP) ist in New York mit Rabbi Arthur Schneier zusammengekommen. Der heute 96-Jährige wurde in Wien geboren, musste 1938 vor den Nationalsozialisten fliehen und zählt heute zu den bekanntesten österreichisch-amerikanischen Stimmen für den Dialog zwischen Religionen.
Bauer würdigte den Lebensweg des Rabbiners: "Rabbi Schneiers Lebensgeschichte berührt mich tief: Er musste als Kind aus Wien fliehen und ist Österreich dennoch verbunden geblieben. Sein Lebensweg mahnt uns, jüdisches Leben in Österreich, Europa und weltweit entschlossen zu schützen und zu stärken. Es muss sicher, sichtbar und selbstverständlich sein. Denn wer jüdisches Leben bedroht, bedroht unsere Demokratie."
Schneier floh zunächst nach Budapest, überlebte den Holocaust und wanderte 1947 in die USA aus. Seit mehr als 60 Jahren ist er Rabbiner der Park East Synagogue in New York. Mit der von ihm gegründeten "Appeal of Conscience Foundation" setzt er sich weltweit für Religionsfreiheit, Menschenrechte und den Dialog zwischen Glaubensgemeinschaften ein.
2018 sprach Schneier zudem bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome im österreichischen Parlament.
Das Treffen fand vor dem Hintergrund eines starken Anstiegs antisemitischer Vorfälle statt. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei die Zahl entsprechender Vorfälle deutlich gestiegen und bleibe auf hohem Niveau.
Nach Angaben der Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde wurden in Österreich im Jahr 2025 insgesamt 1.532 antisemitische Vorfälle dokumentiert – so viele wie noch nie. Auch in den USA sei die Bedrohung für jüdische Gemeinden weiterhin groß.
Bauer und Schneier sprachen darüber, wie jüdisches Leben besser geschützt und zugleich sichtbar gelebt werden kann. Themen waren unter anderem Hass im Internet, Bildungs- und Erinnerungsarbeit sowie die Frage, wie verhindert werden kann, dass Juden pauschal für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden.
Das Treffen fand im Rahmen der USA-Reise von Bauer statt. Die Ministerin ist noch bis 17. Juli in New York und Washington.
Auf dem Programm stehen unter anderem Termine bei den Vereinten Nationen sowie Gespräche über die Beziehungen zwischen Österreich und den USA, die transatlantische Zusammenarbeit, die EU-Erweiterung mit Fokus auf den Westbalkan und den Schutz junger Menschen im digitalen Raum.
Nach der Wahl Österreichs in den UNO-Sicherheitsrat für die Jahre 2027 und 2028 soll die Reise laut Ministerium auch ein Signal für die internationale Verantwortung Österreichs setzen.