Seit 24 Jahren prägt Armin Wolf die "ZiB 2", seit vier Jahrzehnten arbeitet er für den ORF. Kurz vor seinem 60. Geburtstag spricht der Moderator in einem Interview mit der "Presse" über seinen Ruf als harter Interviewer, seine Zukunft beim Sender und darüber, warum für ihn mit 65 Schluss sein dürfte.
Wolf geht davon aus, noch rund fünf Jahre die "ZiB 2" zu moderieren. "Ich gehe davon aus, dass der ORF mich mit 65 in Pension schicken wird und das ist total okay." Dass er trotz seiner Bekanntheit und der Quoten irgendwann ersetzt werden kann, sieht der Moderator gelassen: "Der Friedhof ist voller Unersetzlicher."
Seit Jahren sorgen Wolfs Interviews regelmäßig für Diskussionen. Den Ruf, besonders hart mit Politikern ins Gericht zu gehen, sieht er selbst allerdings anders. "Ich bin eh total nett. Ich könnte noch deutlich harscher sein und mache es nicht, weil ich weiß, dass es viele Zuseher nicht schätzen würden."
Er sehe sich auch nicht als Ankläger. Politiker würden Entscheidungen treffen, die das Leben der Menschen unmittelbar beeinflussen. Deshalb sei es eine wichtige demokratische Aufgabe, diese Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und Erklärungen einzufordern.
Auch den Vorwurf, seine Interviews seien besonders hart, kann Wolf wenig nachvollziehen. "Dass ich so böse wäre. Oder so harsch. Im britischen Fernsehen wäre das, was ich mache, eine gemütliche Teestunde." Österreich sei seiner Ansicht nach "letztlich immer noch ein relativ autoritätsgläubiges Land".
Obwohl Wolf regelmäßig mit Politikern über kontroverse Themen diskutiert, sieht er seine eigene Aufgabe nicht darin, fertige Antworten zu liefern. Auf die Frage, ob er gerne Leitartikel schreiben würde, antwortet er: "Nein, ich habe nicht so viel Meinung."
Und weiter: "Ich bin mir jedenfalls nicht so sicher in meinen Meinungen. Mein Job ist es, Fragen zu stellen. Ich habe ganz, ganz viele Fragen und ich muss Gott sei Dank die Antworten nicht haben."
Dass über ihn selbst häufig berichtet wird, nimmt Wolf grundsätzlich gelassen. Wer sich für einen Beruf entscheide, in dem man bekannt werde, könne sich aus seiner Sicht nur schwer über öffentliche Aufmerksamkeit beklagen. Sein Privatleben stehe dagegen nicht in der Zeitung. Diskutiert werde vor allem über das, was er öffentlich mache – und damit könne er leben.
Dabei hätte Wolfs Karriere beim ORF schon vor Jahren enden können. Vor knapp zehn Jahren erhielt er nach eigenen Angaben das Angebot, Chefredakteur einer großen Tageszeitung zu werden.
Er habe sich den Wechsel gut vorstellen können und sich erst im letzten Moment dagegen entschieden. Den Namen der Zeitung nennt er wegen einer damals vereinbarten Vertraulichkeit nicht.
Seine Entscheidung für den ORF bereut er offenbar nicht: "Ich mag halt meinen Job beim ORF schon auch sehr gern. Ich habe den besten journalistischen Job in Österreich."
Gedanken über die Zeit nach der "ZiB 2" macht sich Wolf bereits. Sein bevorstehender 60. Geburtstag beschäftige ihn vor allem deshalb, weil die vergangenen Jahre für ihn enorm schnell vergangen seien.
Angst vor der Pension habe er nicht. Vor allem die Arbeitszeiten seines aktuellen Jobs seien für Sozialleben und Kultur schwierig. Die Aussicht auf sieben freie Abende pro Woche empfinde er deshalb keineswegs als abschreckend.
Nach seiner ORF-Karriere möchte Wolf wieder deutlich mehr lesen und mehr Zeit mit Kultur verbringen. Theater, Oper und Kino stehen dabei weit oben auf seiner Liste.
Deutlich wird der Moderator auch bei der Frage nach den jüngsten Turbulenzen innerhalb des ORF. Für Wolf spielt die Politik am Küniglberg eine größere Rolle, als sie sollte.
Es gebe Menschen, die gelernt hätten oder glaubten, dass die Nähe zu politischen Parteien der eigenen Karriere helfen könne. Dadurch könnten Strukturen entstehen, in denen nicht zwingend jene Mitarbeiter vorankommen, die die beste Arbeit leisten.
Wolf betont allerdings, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe. Beim neuen Direktorium von Generaldirektor Clemens Pig habe er den Eindruck, dass derartige Kriterien keine Rolle gespielt hätten.
Über Pig sagt Wolf: "Ich halte Clemens Pig für einen hochqualifizierten Medienmanager, der die APA hervorragend geführt hat – und ich halte ihn für einen integeren Menschen."
Beim Stiftungsrat Heinz Lederer fällt seine Einschätzung kritischer aus. Der Redaktionsausschuss hatte mehreren Stiftungsräten das Misstrauen ausgesprochen. Wolf selbst gehört diesem Gremium zwar nicht an, stellt aber klar: "Ich bin nicht Mitglied des Redaktionsausschusses, aber ich hätte für diese Resolution gestimmt."