Nur Minuten nach dem Urteil gegen ihn trat August Wöginger als ÖVP-Klubobmann zurück. Er wurde am Montag am Landesgericht Linz in der Postenschacher-Affäre nicht rechtskräftig zu sieben Monaten bedingter Haft und einer unbedingten Geldstrafe in Höhe von 43.200 Euro verurteilt.
Wögingers Anwalt Michael Rohregger kündigte sofort Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde an.
"Ich bin überzeugt, dass am Ende ein rechtskräftiger Freispruch für mich steht", erklärte Wöginger. Seine Funktion als Klubobmann der ÖVP im Parlament lege er dennoch mit sofortiger Wirkung zurück. "Gerade in herausfordernden Zeiten ist es aber notwendig, dass sich der Klubobmann einer Regierungsfraktion zu 100 Prozent auf seine Tätigkeit konzentrieren kann. Die letzten Wochen haben mich in dieser Hinsicht immer wieder an meine persönlichen Grenzen gebracht", so Wöginger. Er bleibe Abgeordneter und Sozialsprecher der Volkspartei.
Die ÖVP braucht also einen neuen Klubobmann. Wer das wird, entscheidet sich laut "Heute"-Informationen am Dienstagvormittag in einer Klubsitzung der Volkspartei.
Bis dahin glühen die Telefonleitungen. Freilich haben sich die Schwarzen hinter den Kulissen in den letzten Wochen bereits auf dieses Szenario vorbereitet. Wöginger mit seiner großen Erfahrung und seinem guten Draht auch zu Vertretern anderer Parteien war eine verbindliche Drehscheibe in der Parlamentsarbeit der Kanzlerpartei. Dementsprechend ist er nicht leicht zu ersetzen.
Aus der ÖVP hieß es Montagnachmittag gegenüber "Heute" lediglich, dass die Nachfolge-Frage "zeitnah", sprich am Dienstag, per Wahl durch die Klubmitglieder in der Klubsitzung entschieden werde. Der VP-Klub umfasst 51 Abgeordnete.
Entsprechende Namen kursieren indes durchaus. Da ist zum einen VP-Finanzsprecher Andreas Ottenschläger. Der 50-Jährige kommt aus der Wiener ÖVP, sitzt seit 2023 im Nationalrat, war früher Verkehrssprecher und ist als Unternehmer Vertreter des Wirtschaftsbunds.
Als chancenreich gilt auch U-Ausschuss-Profi Andreas Hanger (57). Sicher kein Nachteil: Er kommt – wie Wöginger – aus dem ÖAAB, dem Arbeitnehmerbund der Volkspartei. Und er hat als Niederösterreicher die mächtige Landespartei hinter sich. Ein verbindendes Naturell à la Wöginger legte Hanger freilich bislang nicht an den Tag...
Genannt wird zudem Georg Strasser, Präsident des mächtigen ÖVP-Bauernbunds. Auch er ist Niederösterreicher. Und bislang einer der Klubobmann-Stellvertreter. Auch der Name des Klosterneuburgers Johannes Schmuckenschlager kursiert. Der Bauernbündler ist Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.
Am Abend kristallisierte sich dann VP-Sicherheitssprecher Ernst Gödl als Wöginger-Nachfolger heraus. Er ist laut "Heute"-Infos Favorit von Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker.
Der 54-jährige Gödl ist Steirer, steht für das altbekannte ÖVP-Mantra "Leistung, Familie, Sicherheit". Durch ihn will die ÖVP in der Regierungsarbeit wohl auch Akzente setzen – Stichwort: strengere Migrationspolitik.