50 Mio. Euro jährlich

Trotz Agrardiesel-Deal – Scharfe Kritik von Bauern

Die Regierung bringt den Agrardiesel zurück und stellt 100 Millionen Euro bereit. Trotz Entlastung bleibt der Effekt für viele Betriebe überschaubar.
Newsdesk Heute
28.04.2026, 15:03
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Die Regierung schnürt das Budget – und setzt dabei auch ein Signal in Richtung Landwirtschaft: Der Agrardiesel kommt zurück. Für die Jahre 2027 und 2028 sind insgesamt 100 Millionen Euro vorgesehen, also jeweils 50 Millionen Euro pro Jahr. Gleichzeitig bleibt es bei einem klaren Nein zu neuen Steuern für bäuerliche Betriebe: Weder Vermögens- und Erbschaftssteuern noch eine Erhöhung der Grundsteuer finden sich in der Einigung.

Für den Bauernbund ist das ein politischer Erfolg. "Trotz Sparkurses und angespannter Budgetlage ist es gelungen, wichtige Entlastungen für unsere Bäuerinnen und Bauern abzusichern und zusätzliche Belastungen zu verhindern. Der Agrardiesel ist ein wichtiges Signal für unsere Bauernfamilien und für die heimische Lebensmittelproduktion. Unser Dank gilt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, der sich in den Verhandlungen mit großem Einsatz für diese Entlastung starkgemacht hat. Dass es keine Vermögens- und Erbschaftssteuern und keine Erhöhung der Grundsteuer gibt, ist ein weiterer wichtiger Erfolg für die heimische Landwirtschaft", betont Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

Hintergrund der Maßnahme sind steigende Energie-, Betriebs- und Treibstoffkosten, auf die der Bauernbund zuletzt immer wieder hingewiesen hatte. Die Wiedereinführung des Agrardiesels soll hier gezielt gegensteuern. "Entscheidend ist, dass die Unterstützung direkt bei den bäuerlichen Betrieben ankommt. Dort entstehen die Kosten, dort wird gearbeitet und dort werden unsere Lebensmittel produziert. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist diese Entlastung ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit", so Strasser.

Auch grundsätzlich sieht der Bauernbund die Einigung als Zeichen, dass die Landwirtschaft politisch Gewicht hat. "Wir wissen, dass gespart werden muss. Umso wichtiger ist, dass dort abgesichert wird, wo es um Versorgungssicherheit, Produktion und faire Rahmenbedingungen geht. Der Agrardiesel ist dafür ein wichtiger Schritt", so Strasser abschließend.

Entlastung von rund 37,60 Euro

Doch bei genauerem Hinsehen relativiert sich die Dimension der Entlastung. Österreich verfügt über rund 1,33 Millionen Hektar Ackerland. Wird die Fördersumme gleichmäßig verteilt, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von etwa 37,60 Euro pro Hektar und Jahr.

Damit zeigt sich eine Diskrepanz zwischen politischer Darstellung und praktischer Wirkung. Was auf den ersten Blick nach einem großen Paket aussieht, schrumpft auf Betriebsebene zu vergleichsweise kleinen Beträgen zusammen. Viele Höfe dürften die Maßnahme daher kaum spürbar im Alltag merken.

Drohen neue Proteste?

Entsprechend kritisch fällt die Reaktion aus der Praxis aus. Bauernführer Ernst Tschida sieht die Unterstützung als zu gering und warnt vor weiteren Spannungen. Die grundlegenden Probleme der Branche – niedrige Erzeugerpreise, steigende Kosten und zunehmender bürokratischer Druck – würden damit nicht gelöst. Sollte es keine weiteren Schritte geben, stellt er gegenüber der "Krone" klar: "Die Bauern werden für ihr Überleben kämpfen!"

Strukturelle Probleme bleiben

Auch aus wirtschaftlicher Sicht wird die Wirkung eingeordnet. WIFO-Agrarökonom Franz Sinabell betont gegenüber der "Krone", dass Entlastungen zwar grundsätzlich das Einkommen verbessern können, relativiert aber deren Bedeutung im Gesamtsystem. Entscheidend seien vor allem die Preise für landwirtschaftliche Produkte – schon kleine Veränderungen dort hätten deutlich größere Auswirkungen als einzelne Fördermaßnahmen.

Unterm Strich zeigt sich damit ein bekanntes Bild: Politisch wird ein großes Volumen präsentiert, ökonomisch bleibt der Effekt pro Betrieb überschaubar. Die Wiedereinführung des Agrardiesels bringt zwar eine Entlastung, löst aber weder strukturelle Probleme noch dürfte sie die Unzufriedenheit in der Landwirtschaft nachhaltig beseitigen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 28.04.2026, 15:03
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