Ein Strategiepapier der ÖVP-dominierten Arbeitgeberseite der Gesundheitskasse (ÖGK), in dem unter anderem Selbstbehalte beim Kassenarzt vorgeschlagen werden, sorgt seit der Vorwoche für Wirbel.
Am Mittwoch bringen die Grünen, die auch das Papier öffentlich gemacht hatten, das Thema in den Nationalrat. Sie wollen mit einem Dringlichen Antrag eine Garantie von SP-Gesundheitsministerin Korinna Schumann erwirken, dass Patienten beim Kassenarzt auch in Zukunft nichts zahlen müssen.
Der neue SPÖ-Chef und rote Klubobmann Philip Kucher stellt die Position seiner Partei zu Selbstbehalten vorab klar: "In keiner Welt kommt das mit der SPÖ infrage", sagt er zu "Heute".
"Unsere Antwort lautet nein", spricht Kucher ein Machtwort zu Selbstbehalten beim Kassenarzt.
Solche Ideen seien nicht nur sozial ungerecht, sondern auch ungesund. "Wer den Arztbesuch verteuert, riskiert, dass Menschen zu spät zur Behandlung kommen", erklärt Kucher.
„Selbstbehalte beim Kassenarzt? In keiner Welt kommt das mit der SPÖ infrage.“Philip Kucher SPÖ-Chef und -Klubobmann
Denn wer sich einen Arztbesuch aus Kostengründen zweimal überlegt, könnte notwendige Untersuchungen oder Behandlungen aufschieben. Aus zunächst gut behandelbaren Erkrankungen könnten dadurch ernstere Gesundheitsprobleme werden – mit entsprechend höheren Behandlungskosten.
Vermeintliche Einsparungen, indem man von Patienten Selbstbehalte verlange, könnten das Gesundheitssystem am Ende also sogar teurer kommen, betont Kucher.
„Beim Arzt muss die E-Card und nicht die Kreditkarte zählen.“Philip Kucher SPÖ-Chef und -Klubobmann
Arzt-Selbstbehalte kann die ÖGK im Übrigen nicht einfach einführen, dazu bräuchte sie die Zustimmung der Regierung. "Die wird es von der SPÖ nicht geben", sagt Kucher klipp und klar: „Beim Arzt muss die E-Card und nicht die Kreditkarte zählen."