Österreichs Bundesheer steht vor großen Verändernungen. Generalstabschef Harald Vodosek spricht über eine längere Wehrpflicht, neue Kampfjets und Milliardeninvestitionen in die Landesverteidigung.
Während die Politik noch über zentrale Vorhaben verhandelt, laufen die Vorbereitungen beim Militär bereits auf Hochtouren. Der neue Generalstabschef Vodosek zeigt sich im Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" zuversichtlich.
Besonders bei der geplanten Verlängerung des Wehrdienstes sieht der General große Chancen für Österreich. Auf die Frage, ob er mit dem angestrebten Modell zufrieden sei, antwortete er knapp: "Absolut. Denn der Ausgangspunkt für mich war der jetzige Stand, also sechs plus 0. Wenn wir neun Monate bekommen, sind wir die Avantgarde in Europa."
Österreich könnte damit aus Sicht des Generals eine Vorreiterrolle einnehmen. Als Ausnahme nennt er Finnland, das sein Wehrpflicht- und Milizsystem nie abgeschafft habe.
Die endgültige Entscheidung liegt allerdings noch bei der Politik. Auch die Regelungen für den Wehrersatzdienst müssten entsprechend angepasst werden. Das Bundesheer bereitet sich unterdessen bereits auf eine möglichst rasche Umsetzung vor.
Neben dem Wehrdienst steht auch die Zukunft der österreichischen Luftraumüberwachung zur Debatte. Die derzeit 15 Eurofighter sollen langfristig durch neue Kampfflugzeuge ersetzt werden. Im Raum stehen 36 Jets mit einem geschätzten Gesamtvolumen von zehn Milliarden Euro.
"In bestimmten Bedrohungsszenarien der Luftverteidigung benötigen wir zumindest 36 Flieger, um diese Bedrohungen abwehren zu können. Es geht ausschließlich darum, die Republik und die Menschen zu schützen", erklärt Vodosek.
Die Regierung will die Entscheidung über die Eurofighter-Nachfolge noch in der laufenden Legislaturperiode treffen.
Einen Vertragsabschluss strebt das Bundesheer für Ende 2028/Anfang 2029 an. Bereits 2033 soll der erste neue Kampfjet in Österreich eintreffen. Gleichzeitig könnte dann die schrittweise Ausmusterung der bisherigen Eurofighter beginnen.
Auch bei der Verteidigung gegen Angriffe aus der Luft plant das Bundesheer umfangreiche Investitionen. Allein für die erste Phase der Drohnenabwehr sind rund eine Milliarde Euro vorgesehen.
Für bodengebundene Luftabwehrsysteme kurzer und mittlerer Reichweite werden knapp drei Milliarden Euro veranschlagt. Die Finanzierung der Eurofighter-Nachfolge wird gesondert behandelt.
Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, wie stark Drohnen die moderne Kriegsführung verändert haben. Österreich reagiert darauf mit neuen Systemen und der Modernisierung bestehender Ausrüstung.
Unter anderem sollen Hubschrauber, Jettrainer, 35-Millimeter-Abwehrkanonen, Skyranger-Türme und Eurofighter zur Drohnenabwehr beitragen. Zudem führt das Bundesheer derzeit 300 Aufklärungsdrohnensysteme ein. Auch sogenannte Kollisions- oder Kamikazedrohnen werden bereits erprobt.
Beim Einsatz künstlicher Intelligenz in Waffensystemen zieht Vodosek eine klare Grenze. Zwar werde KI im Ukraine-Krieg zunehmend eingesetzt, damit Drohnen eigenständig Ziele finden können. Beim österreichischen Bundesheer soll die Entscheidung über einen Waffeneinsatz aber weiterhin beim Menschen liegen.
"Bei uns heißt das, wir werden nie die Hand vom Abzug wegnehmen. Der Mensch steuert das Gerät. Die Letztentscheidung für den Einsatz einer Waffe oder eines Systems wird bei uns immer der Mensch haben."
Für die kommenden Jahre stehen dem Bundesheer so hohe finanzielle Mittel wie noch nie in der Zweiten Republik zur Verfügung. 2027 soll das Verteidigungsbudget 5,3 Milliarden Euro betragen, 2028 sogar 5,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 lag das Budget noch bei 2,9 Milliarden Euro.
Trotzdem reicht das Geld nicht aus, um sämtliche Vorhaben des Aufbauplans 2032+ wie ursprünglich vorgesehen umzusetzen. Laut Landesverteidigungsbericht fehlen dafür mehr als zwölf Milliarden Euro. Einige Projekte müssen deshalb zeitlich verschoben werden. Weitere große Investitionen sollen mit der Bundesregierung gesondert besprochen werden.
Vodosek betont dennoch, dass das Bundesheer seine Fähigkeiten laufend verbessere. In den vergangenen drei bis vier Jahren seien Verträge im Umfang von rund zehn Milliarden Euro abgeschlossen worden.
Neben den geplanten Anschaffungen beschäftigt das Bundesheer auch die Suche nach ausreichend Personal. Besonders bevorstehende Pensionierungen und die verfügbaren Planstellen stellen das Militär vor Schwierigkeiten.
Vodosek hält das Bundesheer dennoch für einen attraktiven Arbeitgeber. Sowohl die Aufgaben als auch die Bezahlung seien aus seiner Sicht konkurrenzfähig. Gleichzeitig will er prüfen lassen, wie die finanziellen Rahmenbedingungen für Offiziere und Unteroffiziere weiter verbessert werden können.