Die geplante Einladung hat für ordentlich Wirbel gesorgt – jetzt ist sie Geschichte: Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi wird beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos doch nicht auftreten. Im offiziellen Programm ist von seinem Namen keine Spur mehr zu finden, das WEF hat bestätigt: Araghtschi wurde ausgeladen.
Noch am Sonntagabend war es ganz offiziell: Der iranische Außenminister sollte am Dienstag in Davos auf der Bühne stehen. Das Gespräch über Politik und Dialog, moderiert von der Chefredakteurin der "Financial Times", war erst kurzfristig ins Programm aufgenommen worden. Vorher war von einem iranischen Auftritt keine Rede gewesen.
Der Programmpunkt war jedoch keine 24 Stunden nach der Ankündigung wieder verschwunden, berichtet "20 Minuten". Klickt man auf den Link, landet man nur mehr bei einer Fehlermeldung. Das WEF hat auf Nachfrage erklärt: "Der iranische Außenminister wird nicht nach Davos reisen."
Die Einladung sei bereits im vergangenen Herbst ausgesprochen worden. Doch angesichts der tragischen Verluste an Menschenleben im Iran sei es heuer nicht angebracht, dass "die iranische Regierung in Davos vertreten ist."
Der kurzfristige Auftritt des iranischen Außenministers hat für heftige Reaktionen gesorgt. Auf Social Media kochte die Wut rasch hoch. Viele stellten sich die Frage: Wo beginnt die Normalisierung eines Regimes, das seine eigene Bevölkerung brutal unterdrückt?
Der Schah-Sohn Reza Pahlavi zeigte sich über seine Pressestelle auf X empört: "Araghtschi repräsentiert nicht den Iran. Er ist ein Krimineller. Davos sollte ihm keine Plattform bieten."
Der geplante Auftritt fällt in eine Zeit massiver Repression im Land. Seit Wochen gehen im Iran unzählige Menschen auf die Straße und protestieren gegen die autoritäre Führung. Die Sicherheitskräfte greifen mit tödlicher Gewalt durch. Laut Menschenrechtsorganisationen wurden mindestens 3.000 Menschen getötet und rund 20.000 festgenommen.
Trotzdem erklärte Araghtschi kürzlich bei Fox News, ein Interview, das ebenfalls für Kritik sorgte, es gebe "keine Pläne", Demonstrierende hinzurichten. Diese Aussage wird von Menschenrechtsgruppen klar bestritten. Gegenüber "Politico" sagte US-Präsident Donald Trump, es sei an der Zeit, einen neuen Anführer im Iran zu suchen.
Die Reaktion des Regimes folgte prompt: "Ein Angriff auf den großen Führer unseres Landes ist gleichbedeutend mit einem umfassenden Krieg gegen die iranische Nation", schrieb Präsident Massud Peseschkian am Sonntag auf X.