Mit zwei Koffern, null Deutschkenntnissen und einer großen Portion Mut landete ein 27-Jähriger aus Salt Lake City in Linz – nicht als Tourist, sondern als Zivildiener. Heute arbeitet Nico Brandelmayr im Caritas-Seniorenwohnhaus Karl Borromäus. Ein Sprung ins kalte Wasser, der sein Leben veränderte.
Der Grund ist tief in seiner Familie verankert: Nicos Vater ist Österreicher. Er wanderte schon mit 17 Jahren in die USA aus, baute sich dort ein neues Leben auf und gründete eine Familie. Die Verbindung nach Österreich riss trotzdem nie ab – denn Nicos Großeltern blieben in Linz.
Dann kam die Pandemie. Besuche wurden unmöglich, die Sorgen um die verwitwete Oma (84) wuchsen. Als sie schließlich auch noch einen Schlaganfall erlitt, beschloss Nicos Vater, für einige Monate zurück nach Linz zu ziehen, um seine Mutter zu unterstützen. Und plötzlich wurde Österreich vom Heimatland der Familie zum Lebensmittelpunkt.
Als Nico 2024 dann selbst in Linz zu Besuch war, machte es bei ihm Klick: "Während des 13-stündigen Rückflugs nach Salt Lake City reifte der Entschluss: Ich ziehe zu meiner Oma nach Österreich!", erzählt er. Kurz darauf packte er sein Leben in zwei Koffer und beantragte die österreichische Staatsbürgerschaft.
Mit dem Pass kam auch die Stellung. Bundesheer? Für Nico wegen der fehlenden Deutschkenntnisse kaum vorstellbar. Also entschied er sich für den Zivildienst – und zwar bewusst mit älteren Menschen: "Ich wusste, dass ich im Seniorenwohnhaus vieles lernen kann, das mir hilft, mich um meine Großmutter zu kümmern."
Heute serviert er Mahlzeiten, macht Betten, räumt auf – und genießt vor allem den Nachmittagskaffee: "Das ist am schönsten. Da habe ich Zeit, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zu plaudern. Das ist meine soziale Stunde."
Nach dem Zivildienst will Nico in Wels Elektrotechnik studieren. Aber die Zeit im Seniorenwohnhaus hat Spuren hinterlassen: "Ich kann mir gut vorstellen, später einmal in der Altenpflege zu arbeiten. Nicht jetzt. Aber irgendwann", sagt er. Und bis dahin lernt er weiter Deutsch – im Alltag oft mit einem Satz, den ihm in Linz ständig wer entgegenwirft: "Ja, freilich!"