Der militärische Konflikt im Mittleren Osten, mit den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite, hat an den Finanzmärkten tiefe Spuren hinterlassen. Wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Situationen, reduzieren Investoren auch jetzt das Risiko. Aktien werden eher verkauft, während sichere Häfen wie Gold im Kurs zulegen.
Wie es für die einzelnen Bereiche derzeit ausschaut:
Der Rohstoff, der am stärksten auf den Konflikt reagiert, ist Öl. Der Iran hat die Straße von Hormus, durch die täglich 30 % des per Schiff transportierten Öls verfrachtet werden, zwar nicht offiziell gesperrt, aber erklärt, sie "könne derzeit nicht durchfahren werden". Damit meiden Tanker die kritische Meerenge am Persischen Golf.
Der Ölpreis hat bisher rund acht Prozent zugelegt. Wie weit er noch klettert, hängt vom Verlauf des Krieges ab. Noch scheint der Markt zu glauben, dass der Konflikt sich nicht zu einem regionalen Flächenbrand ausweitet. Wenn doch, oder bei längerer Blockade der Straße von Hormus, könnte der Ölpreis Richtung 100 Dollar je Fass oder sogar darüber steigen.
Damit wird Tanken in Österreich teurer. Zudem hat der Dollar zuletzt aufgewertet, und da Öl in Dollar bezahlt wird, verteuert das Kraftstoffe im Euroraum zusätzlich.
Monika Rosen ist die namhafteste Finanz- und Börsenexpertin in Österreich. Sie war mehr als 20 Jahre lang bei einer heimischen Großbank tätig, ist Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und gefragte Spezialistin rund um alle Geldthemen. Sie schreibt eine regelmäßige Kolumne für die News-Plattform "Newsflix" aus dem "Heute"-Verlag. Alle ihre Kolumnen kannst du HIER nachlesen.
Man muss aber zwei Einschränkungen machen: Erstens schadet eine längere Sperre der Straße von Hormus dem Iran selbst enorm. Und zweitens reagiert der Ölpreis derzeit nicht nur auf die Behinderung der Frachtwege, sondern auch auf die Angst vor Schäden an der Förder-Infrastruktur.
Einige große Investmenthäuser haben ihre Prognosen schon angehoben – von Goldkursen bis zu 6.300 Dollar bis Jahresende ist die Rede. Der Silberpreis, der zuletzt mit einigen wilden Ausschlägen auf sich aufmerksam gemacht hat, steigt ebenfalls.
Auch der Gaspreis hat am Montag in Europa kräftig zugelegt, zeitweise um mehr als 20 Prozent. Katar braucht für seine Flüssiggas-Exporte unbedingt die Straße von Hormus. Als viertgrößter Produzent von Flüssiggas weltweit ist das Land für die Gasversorgung in Europa (und damit in Österreich) von zentraler Bedeutung.
Den Anstieg des Ölpreises spüren wir in Europa nicht nur beim Tanken. Die gestiegenen Energiepreise, zusammen mit dem stärkeren Dollar, werden die Inflation wieder anheizen. Das macht Zinssenkungen durch die EZB fast unmöglich. Sollte der Konflikt länger andauern, könnte auch eine Zinsanhebung wieder im Raum stehen