Die Stimmung im Mostviertel ist angespannt. Laut einer Umfrage der Bezirksblätter sind 70 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Gesundheitsversorgung. Die Aussichten sind düster: 84 Prozent befürchten, dass es in den nächsten zehn Jahren noch schlimmer wird!
Besonders in der Bezirkshauptstadt Scheibbs drückt der Schuh. Seit März 2021 sind dort gleich zwei Hausarztstellen unbesetzt. Eine spürbare Entlastung könnte der ukrainische Mediziner Oleksandr Zolotarov bringen – doch der kämpft seit Jahren um die Anerkennung seiner Ausbildung in Österreich.
Schon im Jänner veröffentlichte die Gemeinde einen Bericht, in dem es heißt: "Sein Antrag auf Zulassung liegt seitdem bei der Ärztekammer auf. Nun hofft Dr. Oleksandr Zolotarov auf einen baldigen Start als Hausarzt in Scheibbs." Seither hat sich scheinbar nichts getan, Zolotarov ist noch immer kein Hausarzt.
Besonders hart traf es die Region, als Lungenfacharzt Rudolf Hofinger im September nach 25 Jahren seine Praxis schloss. Ohne ihn wird die Luft dünn, denn seither muss Scheibbs gänzlich ohne einen einzigen Lungenarzt ausharren. Ob es eine Nachfolge geben wird, ist derzeit völlig offen.
"In Scheibbs ist definitiv der Mangel an Hausärzten ein großes Thema", sagte Gesundheitsstadträtin Eva Hottenroth (SP) im "Heute"-Gespräch. Auf "DocFinder", einer Suchplattform für Ärzte, werden drei praktische Ärzte in der Gemeinde Scheibbs angeführt.
"In Wahrheit ist Dr. Martin Egger aber der letzte praktizierende Arzt. Die anderen beiden sind in Pension, und deren Stellen wollen wir baldigst neubesetzen", so Hottenroth. Zum jetzigen Zeitpunkt muss Hausarzt Egger in der Gemeinde Scheibbs für 4.200 Einwohner herhalten.
Der Stadträtin zufolge würde an einer Lösung gearbeitet werden, um wieder mehr Hausärzte nach Scheibbs zu bringen: "Wir sind in Kontakt mit der Ärztekammer und Playern vor Ort. Wir schauen, dass wir in den nächsten Monaten vielleicht schon wieder mehr als einen Hausarzt hier haben." Auch gewisse Fachärzte fehlen in der Region.
Hottenroth appelliert gleichzeitig an die Bevölkerung, stärker auf die eigene Vorsorge zu achten. Gegenüber "Heute" betont sie: "Gesundheitsvorsorge fängt auch mit regelmäßiger Frischluft an. Auch Bewegung, gesunde Ernährung und viel Schlaf machen die Gesundheitsvorsorge aus." Man würde schließlich rund 80 Prozent der Zeit in Innenräumen verbringen.