Der traditionelle politische Aschermittwoch gilt als wichtiger Fixpunkt im Parteikalender der Freiheitlichen und lockte auch heuer wieder viele Anhänger und Parteifreunde der FPÖ in die Jahnturnhalle in Ried. Als Einpeitscher trat wie gewohnt der blaue Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner in Erscheinung.
Wie gewohnt schlug der Oberösterreicher scharfe Töne an. Harsche Kritik hagelte es zu Beginn am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) die er als "linke NGO aus Wien" bezeichnete. Es brauche zudem eine Befreiung von der "Verlierer Koalition". Insbesondere Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) bekamen ihr Fett weg. Auch die Sanktionen gegen Russland und das Mercosur-Abkommen bezeichnet Haimbuchner als falsch.
Kurz nach 19:30 Uhr betrat FPÖ-Obmann Herbert Kickl das Rednerpult. Der blaue Parteichef schwor seine Parteifreunde auf die 2027 anstehende Wahl in Oberösterreich ein. "Wir werden den Turbo zünden und wie im Bund an der Volkspartei vorbeiziehen", kündigt Kickl an.
Gleich danach feuerte er gegen Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), den er als "ungeeignet" und als "Sunnyboy der Regierung" bezeichnete. "Jede Straßenbahngarnitur hat mehr Anhänger als Andreas Babler", legt der FPÖ-Obmann auch gegen die SPÖ nach.
Sichtlich stolz zeigte er sich über den FPÖ-Hit, der aktuell die österreichischen Charts stürmt. "Damit liegen wir vor Bruce Springsteen und Lady Gaga. Und damit meine ich nicht die Dame im Außenministerium", schießt Kickl gegen Meinl-Reisinger. Sollten andere Parteien nun ebenfalls planen, musikalisch aktiv zu werden, empfiehlt Kickl den Roten "Immer rückwärts SPÖ" und den Schwarzen "Spiel mir das Lied vom Tod" als mögliche Liedtitel.
"Mir taugt es, dass jemand diese Gesetzgeber mal richtig verarscht", spricht Kickl auf den Fall Waltraud an. In diesem Zusammenhang rechnet er mit einer Geschlechtsumwandlung innerhalb der ÖVP. "Wenn ein gewisser August Wöginger zurücktreten muss, wird bald eine Augustine Wöginger als Klubchefin präsentiert werden", scherzt der Freiheitliche.
Der ÖVP-Politiker sei allgemein ein "Spezialfreund". "Der Zahn und Hosenbestand in Ried ist genauso lupenrein wie er in Klagenfurt gewesen ist. Ganz im Unterschied zu deinem Leumund", feuert Kickl weiter und bezeichnet ihn als "Knast-Gust". Außerdem sei es immer besser keine Zähne im Mund zu haben, als "kein Hirn im Kopf wie die aktuelle Regierung", die er als "Brutstätte des Unvermögens bezeichnet. "Die Verlierer-Ampel ist ein politisch Hirntoter", legt er nach.
Danach lenkt Kickl in Richtung Ukraine. "Ich denke mir oft, wieso behalten sie die NATO-Beate nicht. Aber die Ukrainer sind schlau, denen ist das Geld lieber", so Kickl. Ihn habe es gewundert, dass Meinl-Reisinger nicht den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Opernball eingeladen habe.
Auch beim Thema Bildungssystem übt Kickl Kritik. Man habe nun mit Latein das große Übel bei den Sprachproblemen in den Schulen ausfindig machen können. "Ich habe immer gedacht es wäre Türkisch oder Arabisch", scherzt der blaue Parteiobmann.
In weiterer Folge legt er gegen Stocker und seine bekannte "2-1-0"-Formel nach: "Das hat er von seiner Tablettenschachtel abgeschrieben. Zwei am Morgen, eine zu Mittag und keine am Abend." Mit einem Prozentwirtschaftswachstum könne man nicht mithalten. "Es gibt keinen Aufschwung, das sind Fake News", so Kickl weiter.
Weiters rechnete er nochmals mit der SPÖ ab. Babler etwa sei am Opernball herumspaziert wie ein "sozialistischer Bonzen-Pinguin". Ex-Kanzler Christian Kern habe ein "Potenzproblem" und "kein Stehvermögen", weil er "wieder einmal" nicht als Parteivorsitzender kandidierte. Außerdem kritisiert er die Orgasmus-Kampagne der SPÖ-Ministerin Korinna Schumann.
Gleich danach bekam die ÖVP ihr Fett weg. Wenn Stocker weiterhin im Bundeskanzleramt "meditieren" würde, solle er sich eine orange Kutte überstreifen. "Die Figur wie sein großes Vorbild, der Buddha, hat er ja schon", feuert Kickl vor seinen Parteifreunden weiter gegen den Bundeskanzler.
Abschließend erklärte Kickl, dass man knapp vor einem Systemwechsel stehe und was es für den Schritt in eine "Dritte Republik" in Österreich brauche. Dabei sprach er mehrfach von einem "Phönix-Plan". Klar sei, dass es keine neuen Steuern oder Erhöhungen geben dürfe. Zudem würde der "Greendeal" durch die FPÖ ein "Staatsbegräbnis" bekommen. Nur dann sei Energie wieder leistbar und man könne das Teuerungsproblem lösen. Danach würde man eine Reform des Gesundheitssystems angehen, um für Patienten, Pfleger und Ärzte eine Entlastung zu schaffen.
Außerdem müsse man ein 100-prozentiges Bekenntnis zur Neutralität schaffen. "Man kann auch nicht halbschwanger sein", so Kickl. Man wolle zudem auch "keine Filiale Brüssels" sein. Auch die Islamisierung müsse umgehend gestoppt werden. "Wir müssen den politischen Islam mit einem Verbotsgesetz an der Wurzel packen", stellt der blaue Parteiobmann klar.
Um Frauen und Kinder vor Gewalt und Belästigung schützen zu können, würde die FPÖ die Grenzen dichtmachen. "Ein Volkskanzler richtet das gerade. Wir sind für die eigene Bevölkerung zuständig", so Kickl, der erneut von einer "Festung Österreich" sprach. Abschiebungen würden dann mit einer "Airbert One" stattfinden, scherzt er weiter.
Erst vor kurzem sei er bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen "im Raucherkammerl hinter der Tapetentür" gewesen. Dabei habe er VdB mitgeteilt, dass es ihm mit der derzeitigen Regierung "ausgezeichnet" gehe. Denn dadurch könne man sehen, dass die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS nur "machtgierig" sei. Seine Partei könne dann "auf der Seite der Bevölkerung" gegen eine Einheitspartei antreten.