Zwei Stunden Nervenkrimi, dann hatte Bürgermeister Michael Ludwig gut lachen. Nachdem die erste Trendprognose die Roten einen Absturz auf nur noch 37 Prozent befürchten hat lassen, durfte die SPÖ im Laufe des Abends doch noch so richtig jubeln. Die Ergebnisse im Detail:
Mit 39,5 Prozent kam die Bürgermeister-Partei am Sonntag bis auf 2,1 Prozentpunkte an das starke 2020er-Ergebnis heran und kann aus drei potenziellen Koalitionspartnern (Grüne, Neos, ÖVP) wählen.
Stadtchef Ludwig sah einen "großen Vertrauensbeweis" der Wiener Bevölkerung, wollte sich am Wahlabend aber noch nicht festlegen, ob es mit dem bisherigen pinken Partner weitergeht, wozu er laut Insidern aber tendieren soll. Offiziell verwies Ludwig auf die Sondierung. Sein Ziel: "Noch vor dem Sommer eine stabile Regierung."
Dass das Bündnis KPÖ/Links klar an der 5-Prozent-Hürde scheitert, versetzt den aktuellen und kommenden Stadtchef in die angenehme Position, sich seine "Braut" für die kommenden fünf Jahre aussuchen zu können: Sowohl mit den Grünen (15 Mandate) als auch mit dem aktuellen Koalitionspartner Neos oder der ÖVP (beide 10 Mandate) reichen die 43 roten Sitze für eine Mehrheit im Gemeinderat.
Eine Zusammenarbeit mit der FPÖ schließt Ludwig weiterhin aus. Wien habe mit der Pandemie, den stark steigenden Energiepreisen und der hohen Inflation "harte Jahre" bewältigt, so Ludwig. Die Wiener hätten anerkannt, "dass wir versucht haben, sie gut durch die Krisen zu bringen – dass wir viel erreicht, aber noch viel vor haben. Wir sind für kommende Herausforderungen gewappnet."
Die stärksten Zugewinne (plus 13,2 Prozentpunkte) fuhren die Freiheitlichen ein. Dominik Nepp verdreifachte das letzte Ergebnis beinahe. Der Weg in die Koalition bleibt der FPÖ dennoch verwehrt – von Ludwig setzte es umgehend eine Abfuhr. Nepp nahm’s sportlich, kündigte dem SPÖ-Chef "noch stärkere Kontrolle" an.
Eine regelrechte Aufholjagd legten die Grünen im Wahlkampf hin, konnten den dritten Platz halten und kamen mit 14,5 Prozent (minus 0,3 Punkte) beinahe an das Rekord-Ergebnis von 2020 heran.
"Ich habe eine wirklich, wirklich große Freude", jubelte Spitzenkandidatin Judith Pühringer, in der Ottakringer Brauerei, wo die Öko-Partei ihre Wahlparty feierte. Pühringer brachte sich einmal mehr als Partnerin für die SPÖ ins Spiel.
"Die Wählerinnen und Wähler wünschen sich ein Comeback der Grünen in der Stadtregierung", interpretieren Noch-Parteichef Kogler und seine designierte Nachfolgerin Gewessler das Ergebnis.
In der Koalition wollen aber auch die Neos verbleiben, die auf 9,9 Prozent (plus 2,5 Prozent) zulegten. "Weiterarbeiten, für die beste Bildung", ist die Devise von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling.
Die Volkspartei verlor jeden zweiten Wähler, ist nur noch einstellig und fünfte Kraft in der Stadt. Parteichef Karl Mahrer habe "einen sehr klaren Plan für die nächsten Tage". Ob er in den ÖVP-Gremiensitzungen die Vertrauensfrage stellen wird, ließ er vorerst offen.
Die Kommunisten (4,0 Prozent) scheiterten auch mit LINKS-Rückenwind an der 5-Prozent-Hürde.
Mit nur 1,1 Prozent verfehlte auch der Ex-Vizekanzler den Einzug in den Landtag (noch klarer als 2020) und ist am Ende seiner Polit-Karriere.