Jetzt rechnet er ab

ORF-Meteorologe Wadsak zerlegt die Winterprognosen

Schnee-Walze oder Polar-Peitsche? ORF-Meteorologe Marcus Wadsak rechnet mit Winterprognosen ab. Darum funktionieren diese in Österreich kaum.
17.10.2026, 09:57
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Kommt die große Schnee-Walze? Droht Österreich eine Polar-Peitsche? Oder steht doch ein außergewöhnlich milder Winter bevor? Schon Wochen vor dem meteorologischen Winterbeginn überschlagen sich die Schlagzeilen mit vermeintlich sicheren Vorhersagen.

ORF-Meteorologe Marcus Wadsak hat davon offenbar genug. In einem Video nimmt er die spektakulären Ankündigungen aufs Korn – und erklärt, warum niemand seriös sagen kann, wie der kommende Winter in Österreich tatsächlich wird.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Endlich ist sie da: die Winterprognose", jubelt der Wetterexperte zunächst demonstrativ in die Kamera. Doch dann folgt die Korrektur: Nicht DIE Winterprognose, sondern gleich mehrere widersprüchliche Vorhersagen machen derzeit die Runde.

Wadsak spottet über Schnee-Walzen

"Was muss ich da schon wieder alles lesen. Die einen sprechen von Schnee-Walze – ja, die kommt jedes Jahr wieder … die anderen sprechen von einem milden Winter. Andere versprechen uns auf YouTube den kältesten Winter seit die Dinosaurier ausgestorben sind … Aber was ist von diesen Winterprognosen zu halten?"

Die Antwort des ORF-Meteorologen fällt eindeutig aus: "Liebe Leute, in Österreich nicht viel. Lesen, amüsieren, aber wieder vergessen."

Damit richtet sich Wadsak vor allem gegen Vorhersagen, die bereits Monate im Voraus einen ganz bestimmten Winterverlauf versprechen. Dass solche saisonalen Prognosen in manchen Teilen der Welt durchaus aussagekräftig sein können, bestreitet er nicht. Entscheidend sei aber, welche Faktoren das Wetter in einer Region bestimmen.

Warum Winterprognosen bei uns nicht funktionieren

In manchen Weltregionen beeinflussen großräumige Meeresströmungen das Wetter besonders stark. Dort lassen sich saisonale Entwicklungen teilweise besser abschätzen. Als Beispiel nennt Wadsak das Klimaphänomen El Niño, das Niederschlagsmuster und Temperaturen über längere Zeiträume beeinflussen kann.

In Europa ist die Ausgangslage laut dem Meteorologen jedoch eine andere: "Bei uns in Europa wird das Wetter von Hoch- und Tiefdruckgebieten bestimmt. Von Fronten, die relativ willkürlich kommen und sich für eine Woche bis 10 Tage voraussagen lassen. Wie der Winter wird, wissen wir einfach nicht."

Ob Österreich im Dezember, Jänner oder Februar von kräftigen Schneefällen getroffen wird, hängt somit von Wetterentwicklungen ab, die sich derzeit noch nicht zuverlässig vorhersagen lassen. Eine konkrete Schneeprognose für den gesamten Winter hält Wadsak deshalb für nicht seriös.

Ein warmer Winter ist trotzdem wahrscheinlicher

Ganz ohne Einschätzung bleibt der ORF-Experte allerdings nicht. Aufgrund des Klimawandels hält er einen überdurchschnittlich warmen Winter für wahrscheinlicher als einen besonders kalten.

"Mein Tipp, wenn ich irgendwas zum Winter sagen müsste: Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein warmer Winter wird, die ist groß. Wir haben einen Klimawandel, eine globale Erwärmung. Heuer sind schon 9 von 10 Monaten überdurchschnittlich warm. Sehr wahrscheinlich wird das auch im Winter so sein. Das ist eine Wahrscheinlichkeitsrechnung."

Der entscheidende Unterschied: Wadsak spricht ausdrücklich von einer Wahrscheinlichkeit und nicht von einer sicheren Vorhersage. Ein insgesamt milder Winter schließt einzelne Kälteeinbrüche oder heftige Schneefälle keineswegs aus.

"Was den Niederschlag betrifft: Keine Ahnung!"

Noch schwieriger wird es bei der Frage, wie viel Schnee oder Regen Österreich im kommenden Winter bekommen könnte. Wadsak verweist auf die anhaltende Trockenheit. Seit rund einem Jahr seien die Niederschlagsmengen vielerorts zu gering.

"Was den Niederschlag betrifft: Keine Ahnung! Wir haben seit einem Jahr fehlende Regenmengen und zwar fehlt im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge an Regen … die Trockenheit hält an."

Früher oder später müsse zwar wieder Regen fallen. Doch wann genau und in welcher Form, lasse sich jetzt noch nicht sagen. "Ob das im Winter der Fall sein wird, bei Temperaturen um 0 Grad als Schnee als Regen, das weiß noch niemand. Wer was anderes behauptet … hat eine blühende Fantasie."

Damit erteilt Wadsak auch jenen Prognosen eine Absage, die bereits jetzt große Schneemengen für bestimmte Wintermonate ankündigen.

"Wir werden uns überraschen lassen müssen"

Für alle, die sich einen schneereichen Winter wünschen, hat der Meteorologe daher keine verbindliche Antwort. "Wir werden uns überraschen lassen müssen, wie dieser Winter werden will, wie dieser Winter werden wird."

Sein Fazit zu den vielen unterschiedlichen Vorhersagen fällt entsprechend deutlich aus: "In dem Sinne: Lehnen wir uns zurück und amüsieren wir uns ein bisschen über diese Winterprognosen. Sie funktionieren einfach in Österreich nicht. Wir werden sehen: Schnee, oder nicht Schnee? Das bleibt die Frage!"

UBIMET: So wird das Wetter in den nächsten Tagen

Während der kommende Winter noch viele Fragezeichen bereithält, lässt sich das Wetter für die nächsten Tage deutlich besser einschätzen. Laut der aktuellen Prognose von UBIMET erreicht am Samstag eine schwache Front den Westen Österreichs. Insgesamt bleibt der Hochdruckeinfluss aber bestehen.

Samstag: Nach Nebelauflösung scheint vielerorts die Sonne. Im Westen und Nordwesten ziehen ab Mittag dichtere Wolken auf, zwischen Vorarlberg und Oberösterreich sind einzelne Schauer möglich. Die Temperaturen erreichen 13 bis 20 Grad.

Sonntag: Zunächst überwiegen die Wolken, ganz im Westen fällt stellenweise etwas Regen. Im Tagesverlauf lockert es von Osten her auf. Die Höchstwerte liegen meist bei 13 bis 20 Grad, im trüben Westen teilweise nur um 10 Grad.

Montag: In den Niederungen und Tälern startet der Tag häufig mit Nebel oder Hochnebel. Abseits davon ist es sonnig. Im Laufe des Tages setzt sich vielerorts die Sonne durch, im Südosten kann sich der Nebel etwas länger halten.

red, Akt. 17.10.2026, 10:31, 17.10.2026, 09:57