Gewalt in der Klasse

"Schüler bricht Lehrerin die Nase" – Streit eskaliert

Die Beispiele sind brutal, die Zahlen belegen die Befürchtungen: Immer öfter kommt es zu aggressiven Verhalten an unseren Schulen.
Michael Pollak
21.11.2025, 21:00
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Klassen werden zu Kampfarenen. "Der Schüler hat der Lehrerin die Nase gebrochen", berichtet Denise Schiffrer-Barac, Kinder und Jugendanwältin in der Steiermark. Vorangegangen war ein Streit in der Klasse. Die Gewalt erricht in unseren Schulen einen neuen negativen Höhepunkt. Aber das wirklich Auffällige an diesem Vorfall: "Es geschah an einer Volksschule" – das Kind war höchstens zehn Jahre alt.

Die Expertin für Gewalt bei Kindern und Jugendlichen sagt im Gespräch mit "Heute" weiter: "Lehrer werden schon ab der ersten Volksschule massiv beschimpft." Neuer Alltag: "Kinder kommen mit Springmesser in die Mittelschule", sie geben mit ihren Waffen vor Mitschülern an, zeigen sie her.

"Ich stech dich ab!", auch Lehrervertreterin Carmen Karolyi berichtet einen Fall aus der Schule, das berichtet die Kleine Zeitung. Die Drohung ist glaubwürdig, in der Hand hält der Teenager einen spitzen Gegenstand.

Gewalt schon völlig normal

"Da sind Kinder, die sich vor Angst am Klo verstecken, Fälle, in denen Kinder schon am Boden liegen und noch nachgetreten wird, während andere rundherum stehen und zuschauen – es ist wirklich erschreckend, wie normalisiert Gewalt inzwischen schon unter ganz jungen Kindern ist", sagt Karolyi weiter.

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In der Steiermark gab es noch nie so viele suspendierte Schüler wie gerade jetzt. 46 wurden ihrer Schule verwiesen. Das Phänomen ist nicht auf das eine Bundesland begrenzt. In Wien gab es im vorigen Schuljahr 784 Suspendierungen.

552 Körperverletzungen in Wiener Schulen

Die Zahlen aus der Bundeshauptstadt schockieren: 2024 wurden insgesamt 632 Delikte an Schulen gemeldet, mehr als doppelt so viele wie 2015 (296). Besonders häufig sind Körperverletzungen, mit 552 Fällen, darunter auch schwere Angriffe.

"Wir sehen Gewalt in jeder Form, wir sprechen nicht von Kleinigkeiten, das sind schwerwiegende Vorfälle", sagt Expertin Schiffrer-Barac, "das sind keine Kavaliersdelikte da muss man reagieren."

"Massive Kinderrechtsverletzungen erlebt"

Ein Schüler wird nicht nach einem ersten Vorfall suspendiert, "Schulpsychologen schauen sich jeden Fall genau an." Worauf sich die Experten verstärkt stürzen ist die frühzeitige Prävention. "Kinder sind niemals von Grund auf böse. Sie müssen massive Kinderrechtsverletzungen erlebt haben, damit es so weit kommt."

Keine leichte Aufgabe: "Wir müssen dorthin schauen, wo es noch nicht passiert ist, aber schon in die Richtung geht", sagt Schiffrer-Barac. Diese Kinder sollen dann früher an die richtigen Stellen gelangen: "Bei der Mobbing-Beratung, in Eltern-Kind-Zentren oder Erziehungsberaten."

Doch warum gibt es die plötzliche Häufung der Fälle? "Wir haben fünf Jahre mit Krieg und Krisen hinter uns, das hat was mit der Gesellschaft und mit den Kindern gemacht", so die Jugendanwältin. Die Erklärung: "Die Pandemie hat soziale Distanz gefordert, dadurch sind Kompetenzen nicht oder eben weniger erworben worden." Auch da liegen Ursachen für Gewaltausbrüche und Depressionen.

"Müssen Betroffene unterstützen"

Doch eines ist fix: "Es ist nicht alles schlecht, wir haben keine verlorene Generation. Die Kinder haben ganz andere Kompetenzen erworben, haben aber andere Lücken. Diese müssen wir entdecken und die Betroffenen unterstützen."

{title && {title} } POM, {title && {title} } Akt. 22.11.2025, 10:12, 21.11.2025, 21:00
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